Rezepte in der Kauchtabatherstellung 83
noch anhaftende überschüssige Feuchtigkeit verdunsten kann. Auf
diefe Weise wird vermieden, daß sich an den Sigaretten später
in der dichten Verpackung Schimmel bildet. Hie Verpackung
der Zigaretten ist in Deutschland durch das im Jahre 1906 er—⸗
lassene Steuergesetz erheblich kompliziert worden, da die Siche—
rung der fiskalischen Gefälle mannigfache Vorschriften für die
Art der Derpackung erforderte. Das Aufkleben und die Ent—
wertung der Steuerzeichen erfolgt erst unmittelbar vor dem
VDersand. Zum Aufkleben derselben wird in größern Fabriken
eigens eine sogenannte Banderoliermaschine verwendet, welche
stündlich 20002400 Schachteln mit Banderolen automatisch
beklebt.
Die Fabrikation von Rauchtabak ist der älteste Zweig der
gesamten Tabakindustrie; in Deutschland kann sie jetzt ein 250
jähriges Bestehen nachweisen. Unier den mannigfachen Ver—
änderungen, welche innerhalb dieser Zeit in dieser Fabrikation
zu verzeichnen sind, ist eine besonders interessant, welche wir als
das Aufhören einer fast mystischen Künstelei zugunsten einer
Rückkehr zum reinen Naturprodukte bezeichnen möchten. Nachdem
man in der ersten Periode wohl den Rohtabak aliein in seinem
Haturzustande verarbeitet hatte, trat im 18. Jahrhundert in
Curopa mit der überfeinerten und vielfach auch wohl über—
sättigten Kultur aller Genüsse das Bestreben auf, die Natur
bzw. die von der Natur gegebenen Genußmittel durch fremd⸗
artige Beimischungen zu übertreffen. Die gleiche Richtung,
welche die Zubereitung von Speisen und alkoholischen Getränken
nahm, wurde auch in der herftellung von Rauchtabak und
Schnupftabak eingeschlagen. So wurde das „Rezeptbuch“ zum
wichtigsten Inventarstück des Tabakfabrikanten Jeder Fabrikant
hütete sorglich die Geheimhaltung der von ihm zusammengestell⸗
ten Rezepte zu Saucen, mit welchen der Tabak befeuchtet wurde,
und zu andern Beimischungen, welche in Pulverform beigegeben
wurden. Sehr beliebte Ingredienzen zu den Saucen waren:
Weißer Kandiszucker, Pekko— und anderer Tee, Muskatblüten,
Zimt, Mastix, Ambra und Vanille; trocken wurde gepulvertes
Paradiesholz oder Rosenholz beigemischt. Die Saucen wurden
gekocht und sehr umständlich, teilweise nach vorheriger Destil—
lierung der aromatischen Stoffe zubereitet. Alle derartigen Zu—