Verschiedene Methoden zur herstellung von Schnupftabak 93
1K8g pro Jahr und Kopf der Bevölkerung statt. Deutschland hat
knapp /, dieser Verbrauchshöhe.
Schnupftabak. Dieses ehemals so vielbegehrte und namentlich
auch in den höheren Gesellschaftskreisen weitverbreitete Genuß—
mittel hat einen ständig größeren Verbrauchsrückgang erfahren
und wird heute fast nur noch in den unteren Volksschichten ver—
braucht. Die in den Sschnupftabakfabriken ehemals noch viel
mehr als in der Kauchtabakfabrikation als wertvollstes Geheim—
nis gehüteten Rezepte für die Subereitung und namentlich für
Beimischung von Drogen aller Art spielen deshalb heute eine
mehr untergeordnete Rolle. Die Fabrikation hat darum auch
keine Veranlassung mehr, in der Auswahl des Rohtabaks dessen
qualitativer Beschaffenheit einen so großen Wert beizulegen, da
dieser fast nur als Unterlage für die beigemischten, einen starken
Reiz übenden oder ein dem Tabak ganz fremdartiges Aroma ge—
benden Zusätze in Betracht kommt. Die Grundbedingung für den
Kohtabak ist ein fettes, schweres Blatt. Neben Kentucky- und
Virginia-Tabak werden in den europäischen Ländern die schweren
heimischen Gewächse (in Deutschland schwerer Pfälzer, Ucker—
märker usw.) sowie Tabakrippen verarbeitet. Für den nament—
lich in Bayern viel verbrauchten „Schmälzler“ verarbeitet man
daneben die bereits früher erwähnten Mangotes. Dieses ziemlich
teure Material wird aber sehr stark mit deutschem RKohtabak in
den Fabriken gemischt. Die Verarbeitung des Tabaks beginnt
mit dem Aussortieren der mageren Blätter, welche zur Verar—
beitung als Schnupftabak nicht geeignet sind und entweder im
eigenen oder in fremden Betrieben zu Rauchtabak verarbeitet
werden. Im weiteren herstellungsverfahren sind verschiedene
Methoden zu unterscheiden; die heute meist angewendete Methode
ist die SchnellIfabrikation. Der trockne Tabak, rein oder
mit Rippen gemischt, wird gemahlen. hierzu dienen Maschinen,
welche nach dem System der Kaffeemühlen konstruiert sind,
oder Kugelmühlen. Das Mahlgut wird dann mit einer Sauce
angefeuchtet, für welche jede Fabrik ihre eigenen Rezepte hat;
dieselbe besteht aus einer Abkochung von verschiedenen Drogen
(Tamarinden, Mark von Cania pistula, Steinkleeblüten usw.)
unter Zusatz von Salz und Pottasche. Alsdann wird der Tabak
in Fässer verpackt und zur Fermentation in einen Raum ge—