Betriebsverhältnisse in der deutschen Tabakverarbeitung 109
verschoben. Es wurde schon erwähnt, daß er schon vorher in
zchnupftabak einen konstanten Rückgang zeigte. Während nun
der Verbrauch von Kautabak relativ gleich geblieben, hat der—
jenige von Pfeifentabak seit dem Jahre 1880 nicht allein rela—
tiv, d. h. pro Kopf der Bevölkerung, sondern auch in der abso—
luten Verbrauchsmenge eine bedeutende und stetige Abnahme
erfahren, welche der Zigarrenindustrie zugute kam. Die Kaucher
wandten sich von dem umständlichen Gebrauche der Pfeife ab
und bevorzugten die bequemer zu genießende Zigarre. Infolge—
dessen hat sich der Derbrauch an Sigarren seit dieser Zeit fast
verdoppelt, zeigt aber in den letzten Jahren eine Stagnation,
da in neuerer Zeit die RKaucher die Sigaretten bevorzugen. Zur
Tabakberufsgenossenschaft waren im Jahre 1911 angemeldet
Zahl Zahl Lohnsumme
Betriebe der beschäftigten Personen Mmk.
5682 141341 8558 436
101 15 307 12261738
9 3960 2940760
3712 3024 750
1009 823370
2438 2178430
5757 5

der

46
6585

Die Gesamtzahl der Beschäftigten ist aber höher, da die zahl—
reichen Hausgewerbetreibenden nicht versicherungspflichtig und
daher in der Statistik nicht mitgezählt sind. Die Tabakindustrie,
weiche ursprünglich den iypischen Charakter eines Mittelstand—
gewerbes hatte, büßte diese von sozialpolitischem Standpunkte
fehr schätzbare Eigenschaft in einzelnen Zweigen allmählich ein.
Den Anfang machte die Schnupftabakinduftrie, in welcher der
stetige Rückgang des Verbrauches die kleineren Betriebe besei—
tigte und nur noch größere Betriebe existenzfähig erhielt, welche
oermöge ihrer Kapitalkraft eine ausgedehnte Verkaufsorgani—
sation zu unterhalten vermochten. Aus dem gleichen Grunde
hat sich in der Kauchtabakindustrie eine ähnliche Umwandlung
vollzogen, welche aber noch durch die Vervollkommnung der hier
berwendbaren Maschinen erheblich gefördert wurde. In dem
durch die Abnahme des Verbrauchs von Rauchtabak verschärften
Wettbewerb konnten nur diejenigen Fabriken Sieger bleiben,
deren RKapitalkraft neben einer großzügigen Verkaufsorganisation