114 Der Tabak in der deutschen Kriegswirtschaft
suchte, und bei ihren sandigen und kiesigen Feldern in jedem nur
etwas trocknen Jahre einer Mißernte und in Ermange—
lung jeder andern hilfsquelle der nackten Not
ausgesetzt war. Ein solcher Geldverdienst (wie ihn nämlich
die Zigarrenindustrie brachte) ist gerade in diesen Gegenden bei
der geringen Ertragsfähigkeit des Bodens für den landwirtschaft
lichen Betrieb selbst notwendig.“
X.Der Tabalin der deutschen Kriegswirtschaft.
Schon in den ersten Tagen nach Eintritt des Kriegszustandes,
im August 1914, wurde auf Anregung einiger Tabakindustriellen
in Vereinbarung mit dem Kriegsministerium die „Deutsche
Zentrale für Kriegslieferungen von Tabakfa—
brikaten“ mit dem Sitze in Minden i. Westf. gegründet.
Der Z3weck dieser Gesellschaft war, die Lieferung des gesamten
heeresbedarfs an Tabakwaren durch eine Stelle auszuführen
und an dieser Lieferung alle hersteller von Tabakwaren zu
beteiligen. Maßgebend für die höhe der Beteiligung der ein—
zelnen hersteller war deren Produktionsmenge während des
Jahres 1913. Eine straffe Organisation und strenge Vorschriften
hinsichtlich der Qualität der Fabrikate sowie deren Preisberech—
nung hatte den vorzüglichen Erfolg, daß unter UAusschaltung
jedes Swischengewinnes dem heere einwandfreie Tabakwaren zu
mäßigen Preisen zugeführt wurden. Die Kontrolle wurde ehren—
amtlich von Tabakindustriellen ausgeübt, und wurden die her—
vorragenden Leistungen der Organisation von der heeresver—
waltung in der Folge als mustergültig anerkannt. Von dem
Umfange der Lieferungen erhält man einen Begriff, wenn fest—
gestellt wird, daß im späteren Verlaufe des Krieges drei Viertel
der gesamten deutschen Produktion nur für heeresbedarf bereit—
gestellt wurden.
Mit der längeren Dauer des Krieges und insbesondere infolge
der durch die feindlichen Mächte bewirkten Sperrung der Zufuhr
von ausländischem Rohtabak machte sich allmählich eine Knapp—
heit im Rohmaterial mit allen üblen Begleiterscheinungen, wie
Kettenhandel und entsprechende wilde Preistreibereien bemerk—
bar. Dies führte dazu, daß im August 1916 die private Einfuhr
von ausländischem und der freie handel in inländischem Roh—