116 hngiene des Tabaks
Beamter von 1513-1519 in der Kolonie Terra firma tätig
war. Oviedo schreibt, daß viele spanische Cinwanderer Tabak
rauchen, um die Schmerzen zu betäuben, welche ihnen die Lust—
seuche verursache; er berichtet auch, daß die Indianer die grünen
Tabakblätter als Wundkraut schätzen. Als solches rühmt den
Tabak auch Nicolo Monardes, Lehrer der Medizin an der Uni—
versität Sevilla in einem medizinischen Werke (1566). Er emp—
fiehlt frische Tabakblätter als Wundkraut, Tabaksalben gegen
offene Geschwüre, Tabaksaft in kleinen Mengen gegen Würmer
und warm aufgelegte, frische Tabakblätter gegen Kopfweh,
Magenkrampf und Gicht. Heute erscheint der Wert der letztern
Verwendungsart wohl recht zweifelhaft, die Anwendung als
Wundkraut aber eher verständlich; denn die desinfizierende
Wirkung des Tabaks ist bekannt. Es ist notorisch, daß Tabak—
raucher und -kauer nur äußerst selten an Krankheiten der Sähne
und der Mundhöhle leiden, bei welchen Fäulniserreger als
Krankheitskeime in Frage kommen. Die einerseits stimulierende,
anderseits beruhigende Wirkung des Tabakgenusses wird auch von
der modernen Medizin anerkannt, wenngleich eine exakte Erklä—
rung für das Zustandekommen dieser Wirkung bisher noch nicht
gefunden wurde. Dr. Bresler, ein Arzt, der sich mit der hygiene
des Tabaks sehr eingehend beschäftigte, stellt folgende Theorie
auf. Während der Tätigkeit des Gehirns bilden sich in dem—
selben gewisse, als Schlacken zu bezeichnende Stoffe, deren An—
häufung ein Gefühl der Ermüdung verursacht. Diese Stoffe
gehen nun mit den wirksamen Substanzen des Tabaks eine
chemische Verbindung ein, deren Produkt schneller aus dem
Rörper ausgeschieden wird als die Urstoffe selbst. Daraus ließe
sich folgern, daß die Neigung zum Tabakgenusse aus dem Be—
ftreben entstehe, Gefühle der Ermüdung und Unlust zu beseitigen.
Die im gegenwärtigen Kriege gesammelten Erfahrungen geben
dieser Folgerung eine wirksame Stütze insofern, als die im
Felde stehenden Soldaten fast ausnahmslos leidenschaftliche
Raucher geworden sind. Diese Tatsache aber kann wohl aus—
reichend damit erklärt werden, daß die Soldaten den unbe—
wußten Drang fühlen, die infolge aller Erregungen gerade bei
ihnen wohl besonders starken Ansammlungen der Ermüdungs—
produkte baldigst zu beseitigen. In dieser Beziehung hat der Tabak—