Wirkungen des Tabakgenusses 117
mit dem Alkoholgenuß manches gemeinsam, ist aber von dem
letztern in seiner Wirkung insofern grundverschieden, als der
Taͤbakgenuß niemals einen Rausch „bis zur Bewußtlosigkeit“
im Gefolge hat. Infolgedessen ist jeder in der Lage, die un—
mittelbare Wirkung zu kontrollieren und den Genuß einzustellen,
wenn unangenehme Folgen verspürt werden. Es erübrigt sich
wohl, im Kahmen dieser Darstellung auf die zahlreichen, von
Medizinern unternommenen Experimente zur Erforschung der
physiologischen und psychologischen Wirkungen des Tabakgenusses
im einzeinen einzugehen, um so eher, als alle Forschungsarbeiten
noch nicht zu einem von der Wissenschaft allgemein anerkannten
Kesultat geführt haben. Alle bisher angestellten Versuche be—
trafen ensweder die chemische Feststellung des gesamten Nikotin⸗
gehaltes von Tabakfabrikaten oder deren Verbrennungsprodukte,
Zder das Studium der phnsiologischen Wirkung des Nikotins,
welches Dersuchstieren (Fröschen, Kaninchen u. a. m.) in flüssiger
Form injiziert wurde. Die VDersuche der letzteren Art ergaben
die relativ brauchbarsten Resultate, insofern die Wirkung un—
mittelbar und mit ziemlicher Zuverlässigkeit festgestellt werden
konnte. Es erscheint fraglich, ob die beim Rauchen entstehenden
wirkungen auf den menschlichen Körper nur dem Nikotin zuzu⸗
schreiben sind, denn neben dem nikotin werden auch die übrigen
Verbrennungsprodukte, welche jedem Ppflanzenstoffe eigen sind,
in den Organismus eingeführt, also Kohlenoxyd, Schwefelwasser⸗
stoff und andre Gase. Diese Ansicht erhält eine Stütze durch die
Beobachtung, daß bei Leuten, welche regelmäßig Tabak kauen,
nur in seltenen Fällen hierguf zu begründende bedenkliche Stö—
rungen des Befindens festgestellt wurden, trotzdem der Kautabak
doch weitaus den größten Nikotingehalt hat. Allerdings ist hier
zu berücksichtigen, was bereits in dem Abschnitt über die Kau—
labakfabrikation erwähnt wurde, daß die. Konsumenten von
Kautabak zum weitaus überwiegenden Ceile Berufsklassen an—
gehören, welche sich meist im Sreien aufhalten und in ihrer
Arbeit eine intensive Körperbewegung entwickeln müssen, so
daß bei ihnen ein sehr reger Stoffwechsel stattfindet. Mit dieser
Erwägung ergeben sich auch diejenigen Bedingungen, unter
welchen ein selbst relativ stärkerer Tabakgenuß absolut nicht
schädlich ist, während anderseits veränderte Cebensbedingungen