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merkwürdiger Weise durch den dreißigfährigen Krieg, der sonst überall
tiefe Wunden schlug, auch in Hamburg wurde, zum Anbau von
Maulbeerbäumen und zur Zucht von Seidenraupen entschloß man sich
noch nicht. Diesen Gedanken angeregt und ihn mit allem Nachdruck
vertreten zu haben, ist das Verdienst von Johann Joachim Becher.
Becher, im Jahre 1625 in Speyer als der Sohn eines prote—
stantischen Geistlichen geboren, legte in seinen Studien eine staunens—
werthe Vielseitigkeit an den Tag. Mathematik, Physik und Medizin,
aber auch Theologie, Jurisprudenz, Linguistik und Kameralistik
beschäftigten ihn. Professor der Medizin an der Universität Mainz,
trat er bis zu den sechsziger Jahren litterarisch fast ausschließlich auf
dem Gebiete der Physik, Chemie und Linguistik hervor, wandte sich
dann aber der Kameralistik zu und hat hier wohl größere Bedeutung
gJewonnen, als in den anderen Wissenschaften. Er bekannte sich als
Nationalökonom zu merkantilistischen Ideen, und wie es mit diesem
System zusammenhängt, erwärmte er sich aufs Lebhafteste für Be—
förderung des Handwerks und die Einrichtung von Manufakturen.
Unter diesen aber richtete er sein Augenmerk namentlich auf Ein—
führung des Seidenbaues und der Seidenindustrie.) Gerade dieser
Zweig spielt in seinen Projekten eine hervorragende Rolle. Er bewies,
daß das Klima der meisten Gegenden Deutschlands der Seidenraupen—
zucht nicht entgegen sei, „ist nieht zu zweiflen, dass wo gutor
Wein-Wachss, auch gut Maulbeerlaub wachse, der Baum ist
leicht zu handhaben, dann weil er am langsamston seine Blaätter
gibt. leydet er vom Frost keine Gefahr.“ Besonders empfahl er
zur Anpflanzung die untere „Pfalz, um Heidelberg und in der
Bergstrat, angesehen das Seidenwesen allda so gut thut, als
immermehr in Prankreieh.“ Selbst wenn es aber nicht gelänge,
den Rohstoff selbst im eigenen Lande zu erzeugen, so könnte man ihn
bequem aus dem Auslande beziehen und haͤtte dann den Wortheil
seiner Bearbeitung, „wodurch nicht allein ein guter Theil des
Gelds im Land bliebe, sondern auch viel tausend Mensohen,
die nun betteln gehen, ihr Brod dadureh gewinnen könnten.“
Wirklich wußte er nach einander mehrere deutsche Fürsten für seine
Pläne zu gewinnen. Mit dem Kurfürsten Karl Ludwig von der
Pfalz schloß er im Jahre 1664 einen Vertrag, laut welchem er in
Mannheim und Heidelberg eine Anzahl von Manufakturen, darunter
vornehmlich eine Seidenweberei, begründen sollte und zum Seiden—
bau Ländereien angewiesen erhieltt guf denen66800 Bäume

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) Politischer Diskurs von den eigentlichen Ursachen des Auff- und Ab—
nehmens der Städte, Länder und Republiken. 3. Aufl. 1688. S. 121ff.

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