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„unzuverlässiges Subject,“ und die Sache unterblieb.') Erst mit der
Einwanderung der Refugies sah der Kurfürst sich der Verwirklichung
seiner Ideale nähergerückt. Ein Jahr vor seinem Tode hatte er die
Freude, eine wirkliche Seidenmanufactur — im Packhaus auf dem
Friedrichsgraben in Berlin — in Betrieb kommen zu sehen. Ein
Pariser, Jean Biet, der daheim in seiner Fabrik 20 Arbeiter beschäftigt
hatte, während er die Wolle, die er zu seinen halbseidenen Geweben
brauchte, auf hausindustriellen Wege von etwa 100 Personen in
einigen Dörfern der Picardie herstellen ließ, also ein gewiegter Unter⸗
nehmer, stand an der Spitze des Geschäfts. Er hatte einen Vorschuß
von 5000 Thalern erhalten unter der Bedingung, 18 Stühle in
Gang zu bringen. Seine Arbeiter, vorzugsweise Franzosen, mußte
er aus Holland verschreiben.?)
Die Versuche, die zur Verarbeitung nöthige Seide in Preußen
selbst zu erzeugen, begannen erst nach dem Tode des großen Kurfürsten.
Im Jahre 1690 wurde der Anfang gemacht, indem der Amtskammer
befohlen wurde, auf den Domänen Maulbeerbäume anzupflanzen.
Das Ergebniß muß zunächst kein unbefriedigendes gewesen fein und
zu weiterer Ausdehnung angeregt haben. Denn kein Geringerer als
Leibniz griff die Idee auf, den Seidenbau in Deutschland heimisch
zu machen und wirkte dafür bei dem Kurfürsten von Mainz und
Hannover.) Er glaubte am schnellsten durch ein Monopol seinen
Zweck, nämlich „den ansehnlichen Nutzen des Landes und des gemeinen
Wesens und der hohen Herrschaft“ erreichen zu können und hatte sich
im Jahre 1707 bei dem Könige dafür verwandt, daß der neu
errichteten Societät der Wissenschaften ein „Privilegium privativum
generalo perpetuum zur Erzielung der weißen Maulbeer⸗Bäume
und der Seide“ ertheilt würde. Leibniz glaubte, daß die weißen
Maulbeerbäume so gut wie Linden in unserem nordischen Klima
würden gedeihen, „mithin sowohl Schatten als Nutzen geben,“ und
demgemäß überall an bequemen Orten, auf Wällen, Straßen und
„wo es sonst anständig“ einzeln und in Alleen würden gepflanzt
werden können. Und eine so große Vorstellung hatte er von dem
Erfolge der beabsichtigten Anpflanzung, daß er für jene Societät,
der er augenscheinlich wünschte thunlichst große Einnahmen zu ver—
schaffen, nicht allein die Kultur der Bäume, sondern auch die Ver—
arbeitung und den Vertrieb der einheimischen Seide ausschließlich in

Hintze, a. a. O., S. 81.
Hintze, S. 88.
Hintze a. a. O., S. 91.
Leibnitz's Deutsche Schriften, ed. G. E. Guhrauer. L.-L. S. 295
„Cedanken die Erzielung der Maulbeerbäume betreffend.“