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Alle bisher in Preußen bestehenden Fabriken gebrauchten italienische
Seide. Der Ertrag des eigenen Seidenbaues kam nicht in Betracht.
Hier setzte nun Friedrich der Große ein. Er gab die Hoffnung,
einen beträchtlichen Theil des für die Manufacturen erforderlichen
Rohstoffes im Lande selbst hervorbringen zu können, keineswegs auf
und wandte sich zu diesem Zwecke an die französische Kolonie, bei der
er das meiste Verständniß fuͤr seine Ziele voraussetzte. In den Jahren
1741 und 1742 ergingen Edicte, die das Publikum zum Pflanzen
von Maulbeerbäumen und zur Zucht von Seidenwürmern aufforderten.
Samen für die Bäume, Eier fuͤr die Raupenzucht wurden unentgelt⸗
lich vertheilt und für die Anlegung von Plantagen eine Geldpraͤmie
von 50 Thalern für je 1000 Stämme verhießen. Später erneuerte
man die Verfügungen, Kirchhöfe und Stadtwälle mit Maulbeerbäumen
zu bepflanzen, verbot die Ausfuhr von Maulbeerbäumen und ihre
Aufkäuferei, bedrohte ihre Beschädigung mit strenger Strafe. Dann
wurden die geistlichen Stiftungen, namentlich die Waisenhäuser, zu
Pflanzschulen des Seidenbaues gemacht. Die verschiedenen Berliner
Waisenhäuser, die Charité, die Francke'sche Stiftung in Halle, das
Waisenhaus in Züllichau haben auch in der That unter der Führung
des Potsdamer Waisenhauses auf den Appell geantwortet und sich zu
wahren Musteranstalten für den Seidenbau entwickelt.) Den Geheim⸗
rath de Cognary schickte er (Anfangs der 80er Jahre) nach Genf,
um 200 Familien zu engagiren, „welehe mit dem ganzen Seidenbau,
 wie solecher von Anfang bis zum Endo traktiret werden
muss, wohl umzugehen wissen.“?)
Bei Neuverpachtungen von Domänen wurde der Pächter contract⸗
lich verpflichtet, Maulbeerbäume zu pflanzen, in manchen Fällen bis
zu 1000 und mehr Bäumen. Auf seinen Reisen besichtigte dann der
König die Pflanzungen, war aber selten mit ihren Ergebnissen zu—⸗
frieden. Es geschieht ihm zu wenig, und die Kammern werden immer
wieder angewiesen, „die Amtleute ernstlichst zur Befolgung ihrer
Pflieht anzuhalten.“ „Eis seindt FKaule Esels,“ fügt der König
in einer seiner bekannten anzüglichen Randbemerkungen hinzu.?)
Von der Kurmark aus verbreitete sich der Seidenbau in die
benachbarten Provinzen. Man dehnte die zunächst auf die Kurmark
berechneten Maßregeln seit 1750 auf Pommern, die Neumark, Magde⸗
burg, Halberstadt aus. Geistliche und Schulmänner waren es auch
hier, an deren thätige Hülfe man sich wandte. Der König setzte im
Jahre 1750 für denjenigen Landgeistlichen oder Schullehrer, der

9 Hintze, S. 107, 100.
Stadelmann, a. a. O., S. 216.