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10 Meilen um Berlin herum die meiste Seide — 6 Pfund Seide
im Jahr — gewonnen haben würde, eine Belohnung von 100 Thalern
aus. Die nächstfolgenden Drei sollten 30, 25 und 10 Thaler er⸗
halten. Der Erfolg dieser Prämien, für die jährlich im Ganzen
240 -280 Thaler verwandt wurden, war ein fehr guter. In der
Kurmark stiegen die Erträge an Seide, die die Geiftlichen und Schul⸗
lehrer aufbrachten, von 50 auf 700 Pfund. — Privatleute wurden
zum Seidenbau angeregt, indem man ihnen königliche Grundstücke
zur Anlage von Plantagen anwies. Der Adel ging ebenfalls auf
die Wünsche des Königs ein. Der Minister von Bodin in Char⸗
lottenburg, die Arnims auf Boytzenburg zeichneten sich durch eifrigen
Betrieb des Seidenbaues aus.
Eine hervorragende Musteranstalt für den Seidenbau wurde die
in Berlin gegründele königliche Realschule, die der Pastor Hecker von
der Dreifaltigkeitskirche leitete. Viele ihrer Zöglinge wurden nachher
Schullehrer auf dem Lande und wirkten dann als Apostel des Seiden—
baues. Die technische Aufsicht war seit den 50er Jahren besonderen
Plantagen⸗Inspectoren überlragen, die für einzelne Provinzen und
Landestheile angestellt wurden. Ihnen waren an wichtigen Plätzen
sogenannte Planteurs, später die Kreisgärtner untergeordnet. Sie
reisten im Lande umher und ertheilten practischen Unterricht. Einer
von ihnen, der kurmärkische Inspector Johann Friedrich Thym, ver—
faßte auch eine Schrift „Practik des Seidenbaues,“ die 1750 zum
ersten Male erschien und nachher noch oft aufgelegt wurde.
Unter solchen Umständen stieg bis zum Anfang des 7 jährigen
Krieges die Zahl aller Bäume auf gegen 500000, darunter 100000
laubbare. Der Ertrag an Seide betrug im Jahre 1754 2687 Pfund,
war freilich durch einen Kostenaufwand von mehr als 10 000 Thalern
herbeigeführt.) Bis zum Jahre 1771 waren in den Provinzen Kur⸗
mark und Neumark, Pommern, Magdeburg-Halberstadt die Zahl aller
Bäume auf 1090621, der Ertrag der Seide auf 4704 Pfund ge⸗
stiegen. Sechs Jahre später — 1777 — war die Zahl der Bäume
1268 105, der Ertrag an Seide 10039 Pfund; im Jahre 1782
betrug die Zahl der Maulbeerbäume über8 Millionen und die
Seidenproduction über 14 000 Pfund. Die letztere wuchs bis 1788
auf 17 000 Pfund.?)
Außerhalb Preußens war man nicht weniger bestrebt, den Seiden⸗
bau zu begünstigen. Es mag sein, daß für die Staaten, die gegen
Ende des vorigen Jahrhunderts dazu schritten, die sichtbaren Erfolge

) Hintze, S. 131, 1383.
» Stadelmann, a. a. O., S. 208.