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der friedericianischen Bestrebungen maßgebend wurden. Im Ganzen
aber lag die Idee sozusagen in der Luft. Die Lehren der merkantilisti⸗
schen Politik beherrschten damals die Köpfe, und sie gingen dahin,
daß man möglichst die Industrie entfalten müsse, um das Geld für
ihre Erzeugnisse im Lande zu behalten. Gerade ein so kostbarer
Artikel, wie Seide, seidene und halbseidene Stoffe und was mit deren
Fabrikation zusammenhing, erforderte die regelmäßige Sendung von
viel Geld ins Ausland. Diese Summen glaubte man sparen zu
können, und es schien dazu um so mehr Hoffnung, als in der That
das Klima von Deutschland dem Wachsthum des Maulbeerbaumes
kein Hinderniß in den Weg legte.
Im Kurfürstenthum Sachsen soll schon im Jahre 1700 von
einem gewissen Kretschmar die erste regelrechte Plantage von Maulbeer⸗
bäumen angelegt worden sein. Besonders lebhaft entwickelte sich der
Seidenbau seit 1744. Im Zeitraum von elf Jahren, von 1744
bis 1755, wurden über 835000 Maulbeerbäume gepflanzt, und im
Jahre 1753 gewann man bereits 150 Pfund Seide. Am 6. August
1754 wurde in einem besonderen Mandat dazu ermuntert, das zu
ähnlichen Maßregeln griff wie in Preußen, Betheiligung der Geist—
lichen und Lehrer, Bepflanzung der Kirchhöfe u. s. w., später auch
Prämien anordnete.)
Weniger Erfolg erzielte man in Württemberg. Dort gründete
im Jahre 1735 ein Seidenfabrikant aus den Niederlanden, Johann
Rigol, eine von der Regierung angelegentlichst unterstützte Seidenbau—
und Manufactur-Gesellschaft. Allein es stellte sich bald heraus, daß
Rigol und Genossen von der Aufzucht der Seidenraupen nichts ver—
standen. Der Unternehmer selbst flüchtete, und seine Arbeiter wander⸗
ten aus.“) Spätere unter Herzog Karl Eugen angelegte Plantagen
(1744-93) sollen sich besser bewährt haben.?)
In Braunschweig, in Hannover, in der Pfalz wandte sich in
der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts das öffentliche Interesse
ebenfalls dem Seidenbau zu, indeß trotz achtbarer Leistungen im
Einzelnen gelangte man nirgends zu ähnlich günstigen Gesammt⸗
ergebnissen wie in Preußen.
In diese Zeit fallen nun auch in Meklenburg die ersten Be—
strebungen, der Zucht der Seidenraupen Eingang zu verschaffen, freilich
ohne daß sie zu irgend einem Ergebniß führten.

i) Schreber, a. a. O., 1, S. 192. Dresdnische gelehrte Anzeigen. Groth,
a. a. O., S. 108. Hintze, a. a. O. S. 31.
2) Zur Förderung des Seidenbaues in Meklenburg, S. 11.
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