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Rußland ging.) Es wäre nicht unmöglich, daß er mit dem in
Meklenburg sich meldenden Antoine Verdier identisch ist.
Aus der Niederlassung des Herrn Verdier wurde nichts. Die
Kammer benutzte die Gelegenheit, um ihre principielle Stellung zu
den auf die Hebung der Industrie bezüglichen Maßregeln kundzuthun.
Sie meinte, daß es bei dem bisherigen Mangel an Fabriken und
Manufacturen in Meklenburg in erster Linie darauf ankäme, Indu⸗
strieen einzubürgern, die die schon längst vorhandenen Landesproduecte
verarbeiten könnten. Wenn aber des Herzogs specieller Wunsch auf
die Seidenindustrie gerichtet sei, so möge er bestimmen, wie weit man
dem Verdier entgegenkommen solle und ob Ludwigslust, wo der Petent
sich niederlassen wolle, wohl der passendste Ort für die Anlegung einer
Plantage sei.
Wahrscheinlich hat der Herzog Friedrich bei näherer Prüfung
der Verdier'schen Projecte selbst gefunden, daß der Standpunkt der
Kammer nicht unberechtigt war. Wenigstens wird uns nichts von
weiteren Verhandlungen mit dem Franzosen gemeldet und ist auch
nicht bekannt geworden, daß in den folgenden Jahren neue Seidenbau—
projecte erörtert worden sind.

Zahlreicher als diese vereinzelten Versuche zur Einführung des
Seidenbaues sind die Bestrebungen zur Einführung der Seiden—
industrie, von denen sich Kunde erhalten hat. Sie führen uns zuerst
in das Herzogthum Meklenburg-Güstrow, dessen Regierung seit dem
Jahre 1654 der kaum erst 21jährige Herzog Gustav Adolf führte.
Bereits im Jahre 1675 war man in Meklenburg soweit, seidene
Strümpfe, die ein begehrter Artikel waren, selbst anferligen zu können.
In einer Aufzeichnung aus diesem Jahr über allerlei Handwerks—
geräth, das fremde Tuchmacher in Güstrow, die daselbst auf Barken—
tien's Hofe wohnten, zurückgelassen hatten, wird neben Webstühlen,
Farbkesseln u. s. w. auch aufgeführt „ein neuer Stubl nebst allem
Zubebör, worauff Seydenstrümpfe gemachet werden.“ Es stellte
sich heraus, daß dieser Stuhl von einem Graf von Ranow für
200 Rthlr. gekauft und einem der betreffenden Gewerbetreibenden,
die sich, wie es scheint, heimlich davon gemacht hatten, zur Benutzung
überlassen worden war. Der Graf nahm den Stuhl nun wieder an
sich und vertraute ihn einem anderen Industriellen an, dessen gewerb⸗
liche Eigenschaft weiter nicht characterisirt wird und der seinem Namen
nach — Pillon — vielleicht ein eingewanderter Franzose oder Schweizer
gewesen sein könnte.

Vy Acta Borussica, J,. S. 241, 419, 4834.