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Die Thätigkeit eines anderen, seinem Namen nach unverkennbar
eines Franzosen, — Johann de Marne — konnen wir in Neustadt ver⸗
folgen. Er übte hier die Kunst eines Schönfärbers, unterstützt von
zwei Söhnen, Lucas und Jaques, aus, die gleichzeitig auch der Webe—
kunst oblagen. Sie konnten alle damaligen seidenen, sammetnen,
halbseidenen und wollenen Modenstoffe und Gaze, als Grosgrain'!),
Taffet?), Damast?), Dobbin“), Brüsch-Atlas“), Kaffa“), Triep'),
Poliamieths), Barath“) u. s. w. herstellen. Offenbar war für die
Arbeitsamkeit dieser drei Männer Neustadt ein zu geringes Feld, und
sie sehnten sich darnach, in größere Verhältnisse zu kommen. Dem—
gemäß wandten sie sich im Jahre 1680 an den Herzog Gustav Adolf
mit der Bitte, sich in Güstrow niederlassen zu dürfen. Sie begehrten
einen Vorschuß von 200 Rthlr., den sie zu verzinsen bereit waren
und für die ihr Vater in Neustadt mit seinem Hause Bürgschaft
leistete, sowie Contributionsfreiheit für einige Jahre, bis sie sich ein—
gerichtet hätten. Bereitwilligst ging der Herzog auf diese nicht un—
bescheidenen Forderungen ein, gestand ihnen 6 Freijahre zu, während
welcher Zeit sfie weder Stadt- noch Landcontribution zahlen sollten
und erlaubte ihnen, „iur Hapdwerk in Verfertigung allerhand
seidenarbeit sowie sie es eéerlernt und davon wissenschaft haben,
frey und ungehindert treiben und ihre verfertigte wahren in
und ausserhalb unsern landen verhandeln zu dürfen.“ Am
19. Mai 1680 hatten die Gebrüder de Marne das Kapital von

) Soviel wie Grobgrün, ein wollenes Zeug, das, nach Art des Packans
gemacht, zur Männerkleidung diente, in schwarzer, blauer und grüner Farbe.
2) Ein glattes reinseidenes Gewebe von großer Feinheit.
) Ein geblümtes Zeug, bei dem auf der einen Seite der Grund Atlas
5. die iaue Taffet, auf der andern Seite die Figur Atlas und der Grund
Taffet ist.
) Richtiger Tobin, Tabin: eine Art gewässerten Seidenzeuges, Taffet
oder Chamellot.
9) Atlas ist ein ganz seidenes Zeug, das glatt gewebt ohne Blumen und
Streifen von vortrefflichem Glanze ist. Brusch-Atlas scheint eine Art reich
broschirten Zenges mit Blumen, die einen Atlas. oder Köpergrund haben,
gewesen zu sein, oder war dasselbe. was man auch als Chenillen-Atlas zu
bezeichnen pflegte.
9) Ein ganz langhaariger, wollener, derart geblümter Sammet, daß die
Figuren durch den glatten Grund gebildet werden.
7) Ein auf Sammet-Art zubereitetes Gewebe (Tripp-⸗Sammet), das am
Anfang des 18. Jahrhunderts zu Schauten, Kragen und Mützen gebraucht wurde.
2) Sonst als Polemit, Polamit, Polimit und Polomit bezeichnet, ein
sehr leichtes Wollenzeug, das man zuerst häufig in Ryssel machte, nachher
in een französischen, endlich auch in deutschen Manufacturen anzusfertigen
verstand.
9) Ein französisches, halb aus Floretseide, halb aus Wolle gewebtes Zeug.