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bedacht gewesen, die solidere Schwester der Seidenweberei, die Wollen⸗
weberei, wieder in Gang zu bringen, hatte eben — 1705 — eine
neue Schauordnung für die Tuchmacherei erlassen und hierbei, sowie
vielleicht zur Unterstützung der Refugiss alle zur Zeit verfügbaren
Mittel aufgebraucht. Daher antwortele am 8. Juli 1706 die Kammer
dem Herrn Agenten, daß bei den ziemlichen Kosten, die die Beförderung
der Wollenmanufactur verursache, es bedenklich scheine, „gion auo
noch mit den Seidenmanufacturen zu méliren.“ Sie erklärte
daher, von seinem Anerbieten keinen Gebrauch machen zu wollen.
Eine lange Zeit — beinahe 30 Jahre — vergeht, ohne daß
wir etwas von unserer Seidenindustrie hören. Aber mittlerweile war
in Warin von zwei Seidenhändlern, Johann Oswald Zeuner, der
gleichzeitig Besitzer eines Gasthofs in Langensalza war, und Jochim
Thomas Hartung, eine Seidenfabrik eingerichtet worden. Diese war
— wenigstens nach dem Berichte der beiden genannten Unternehmer —
einige Zeit ganz gut gegangen. Die Stadt sollte sich dabei nicht
schlecht befunden und sie selbst ebenfalls ihren Vortheil gehabt haben.
Aber nun war ein Moment gekommen, wo ihnen das Betriebskapital
ausging, und sie wandten sich daher am 6. April 1734 an Herzog
Carl Leopold mit der Bitte um eine Audienz, in der sie ihre Wünsche
bezüglich eines Darlehns begründen könnten. Wohl sei ihnen —
bemerkten sie etwas ruhmredig — von einigen Mitgliedern der Ritter⸗
schaft und einigen Herren aus Lüneburg Geld zur Fortsetzung ihres
Geschäfts angeboten worden; aber sie haͤtten doch mehr Vertrauen zu
ihrem Landesherrn.
Bei der in Schwerin stattfindenden Kammerverhandlung, der
der Kammerrath Faber präsidirte, handelte es sich im Wesentlichen
darum, ob der Betrieb einem herzoglichen Wunsche gemäß nach
Schwerin verlegt werden könne oder nicht. Die Unternehmer machten
Schwierigkeiten. In Warin hätten sie gute Arbeiter, in Schwerin
müßten sie erst einige anlernen. Der Transport ihrer Geräthschaften
verursache Zeit⸗ und Geldaufwand und schließe die Gefahr, daß unter—
wegs etwas zerbrechen könne, in sich ein. Auch seien die Kaufleute
in Rostock, Güstrow, Wismar und Bützow, die für den Vertrieb
ihrer Erzeugnisse sorgten, an ihren Wohnsitz in Warin gewöhnt.
Sie wollten weiter nichts als einen Vorschuß von 160 Thalern, um
eine Parthie Seide von Johann Heinrich Basch in Hamburg einkaufen
zu koͤnnen. Diesen Betrag wollten sie verzinsen und stellten ihr
Geschäft als Caution. Da sie gefürchtet zu haben scheinen, daß man
ihnen trotz des vielen Guten, das sie von ihrem Betrieb zu ruͤhmen
wußten, nicht recht trauen würde, schlugen sie vor, die betreffende
Summe dem Bürgermeister Franck in Warin zu übergeben, durch