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dessen Vermittelung sie sich die Seide aus Hamburg kommen lassen
wollten, um sie je nach Bedarf in Beträgen von je 10 Pfund von
ihm abzuheben. Dem Herzog suchten sie das ganze nicht sehr lockende
Geschäft dadurch annehmbar zu machen, daß sie vorstellten, wie der
Betrieb ihres Geschäftes Nahrung in die Stadt Warin brächte.
Indeß es wird sich kaum in Wirklichkeit mit der Blüthe des
Geschäfts so verhalten haben, wie die beiden Unternehmer sie schilder—
ten. Noch ehe die Entscheidung der Kammer ergangen war, hatten
sich die Compagnons entzweit, und am 15. Mal 1784 reichte Herr
Hartung allein dem Herzog eine Eingabe ein, in der er um ein Dar⸗
lehn von 50 Thalern zum Ankause von Seide bat. Gleichzeitig
ersuchte er den Herzog, ihn vor den Verwandten seines früheren
Compagnons schützen zu wollen; er sei vor ihnen nicht auf der Land⸗
straße sicher. Man wird es wohl als selbstverständlich ansehen müssen,
daß der Herzog verschmähte, mit Hülfe solcher etwas eigenartiger
Männer Industrieen in Meklenburg groß zu ziehen.
Mittlerweile geschah in Preußen unter Friedrich dem Großen
außerordentlich viel fuͤr die Entwickelung der Seidenindustrie. Im
Jahre 1746 wurde von der kurmärkischen Landschaft ein Kapital von
100 000 Thalern aufgenommen, die zur Beförderung des Seiden⸗
baues und der Seidenmanufacturen verwandt werden sollten. Man
zog aus aller Herren Ländern, aus Italien und Oesterreich, aus
Leipzig und Dresden, aus Hamburg, Amsterdam und Kopenhagen,
aus Basel und Zürich, namentlich aber aus Frankreich, und zwar
ganz vorzugsweise aus Lyon, Meister und Gesellen heran und unter⸗
stützte sie mit Privilegien. Einzelnen größeren Unternehmungen wurden
Monopole und Exportprämien zugestanden und Vorschüsse gewährt;
durch Einführung einer regelmäßigen Waarenschau strebie man die
Güte der Fabrikate an. Die Ersͤffnung eines Seidenmagazins er⸗
möglichte, namentlich vortheilhaft für die kleineren Fabrikanten, die
Beschaffung des Fabrikationsmateriales besser und biluͤger, als es der
Einzelne vermochte. Eine Reihe von Maßregeln endlich bezog sich
auf die Erleichterung des Absatzes zunächst auf dem inländischen
Markte, dann aber auch im Ausland. Durch Norddeutschland ging
der große Zug der westeuropäischen, namenllich der französischen,
Luxuswaaren nach dem Osten und Norden, wo die Prunksucht der
polnischen und russischen Edelleute einen immer aufnahmebereiten Markt
bot. Daher wurde bereits 1746 sämmtlichen Berliner Seidenzeug⸗
fabrikanten eine Export-Prämie von 4 Procent aus der Accisekaffe
bewilligt, die einige Jahre später auf das Doppelte erhöht wurde.
Unter diesen günstigen Verhältnissen war bis zum Ausbruch des
siebenjährigen Krieges der Gesammtbetrieb in allen Zweigen der