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Industrie, mit Einschluß der Halbseiden-, Seidenstrumpf- und Seiden⸗
bandfabrikation, in Berlin auf 900 bis 1000 Stuͤhle gebracht worden,
wovon 4-500 auf Sammet- und Seidenzeugmanufacturen kamen.
Auch in Potsdam waren ungefähr 100 bis 200 Stühle im Gange.
Die Zahl aller in Berlin und Potsdam in der Seidenindustrie bde—
schäftigten Personen mag sich auf gegen 4000 belaufen haben, der
Werth der Production auf ca. 800 000 Thaler jährlich.)
Wie glänzend mithin die Industrie sich entwickelt hatte, so gab
es natürlich immer einige Individuen, die es nicht gut getroffen
hatten und die aus Preußen wieder fortstrebten in der Hoffnung, an
einem anderen Platze mehr Glück zu haben. Waren es bisher in
der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts unternehmende Deutsche ge⸗
wesen, die sich nach Meklenburg wandten, so hören wir nun von
einigen Franzosen.
Im Jahre 1751 meldet Isaac Jeremias de Roche aus der Mark
seine Bereitwilligkeit, eine Tapetenfabrik anzulegen. Er war ein
Meister der Gobelinsweberei und konnte gewirkte Tapeten von Wolle
und Seide, auch von Gold und Silber herstellen. Aber er besaß
nicht einmal einen Webstuhl und scheint überhaupt gänzlich mittellos
gewesen zu sein. Er wollte auch gar kein selbststäändiges Geschäft
eröffnen, sondern gegen einen Wochenlohn von 4 Thalern die ihm
übergebenen wollenen und seidenen Garne verweben, so daß die
Fabrikate nach ihrer Fertigstellung dem Herzog gehört haben wuͤrden.
Den erforderlichen großen Webstuhl und das üͤbrige Geräth, einen
geräumigen Keller zu dessen Aufstellung, sowie eine Wohnung sollte
der Hof außerdem stellen. Nach der Berechnung, die dem Angebot
——
Rücklehne von Stühlen, für Tabourets und Seitenstücke?) nöthigen
Stoffe auf diese Weise viel wohlfeiler erhalten haben, als wenn er
sie von auswärts hätte kommen lassen. Eine Resolution liegt den
Acten nicht bei. Augenscheinlich war von einer derartigen Luxus—
industrie bei dem verhältnißmäßig geringen Bedarf des Hofes für
das Land kein erheblicher Vortheil zu erwarten.
Sehr viel zweckmäßiger wäre es gewesen, den Vorschlag der
Fabrikanten Carl Heinrich Hobeck und Isaae Duscheer zu berück—
sichtigen. Diese beiden hatten in Berlin eine Fabrik besessen, in der
Kattune, baumwollene und halbseidene Zeuge angefertigt wurden und
waren aus unbekannten Gründen mit ihrem Etablissement nach Par—
chim übergesiedelt. Von dort wandten sie sich am 16. August 1762
) Hintze, a. a. O., S. 111, 112, 115, 138, 149, 151.
) Vielleicht eine bestimmte Art kleinerer Möbel.