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an die herzogliche Regierung mit der Bitte, ihnen ihr Vorhaben
zu erleichtern und sie mit baarem Gelde zu unterstützen. Accise-,
Personal-, Contributions- und Einquartirungsfreiheit, Freiheit von
der Jurisdiction des Magistrats zu Parchim, Holz zum Bau des
Fabrikgebäudes unentgeltlich oder zur halben Forsttaxe, freien Absatz
ihrer Erzeugnisse und jährliche Zuschüsse von 10 Thalern pro Web—
stuhl, sowie von 20 Thalern für Unterweisung eines inländischen
Lehrjungen — das waren ihre Forderungen. In der Zeit, während
welcher sie bauen und Vorbereitungen zum Betriebe der Fabrik treffen,
die sie auf etwa 1-1/ Jahre schätzen, wünschten sie ihre in Berlin
hergestellten Zeuge frei in Meklenburg verkaufen zu können.
Die letztere Bedingung ruft den Eindruck hervor, als ob es
hauptsächlich auf den Absatz von in Berlin nicht verkäuflichen Stoffen
abgesehen war. Die dortigen Fabrikanten klagten beständig über den
Mangel an Absatz und die Ueberschwemmung des Landes mit fremden
Waaren.) Es wäre also denkbar, daß ein paar findige Köpfe auf
diesen nicht unschlauen Ausweg gekommen wären, unter Vermeidung
der Acciseabgaben ihre Fabrikate in Meklenburg an den Mann zu
bringen. Uebrigens lassen sich beide Namen nicht unter den Berliner
Seiden⸗-Industriellen nachweisen, wenn man nicht eine Entstellung der—
selben, etwa aus Hubert und Duchesne, annehmen will, was immerhin
nicht ganz ausgeschlossen ist.
Wie dem gewesen sein mag, Herzog Friedrich jedenfalls faßte
den Antrag ganz ernsthaft und beauftragte seine geheimen Räthe, ihn
in sorgfältige Erwägung zu ziehen. Diese aber benutzten die Ver—
anlassung, um, wie schon vor zwei Jahren im Fall Verdier, als es
sich um die Anlage von Maulbeerbaum-Plantagen gehandelt hatte,
sich dahin auszusprechen, daß es richtiger wäre, die Verarbeitung ein—
heimischer Rohstoffe zu begünstigen. Die Kammer fand es höchst
bedenklich, die „eruda““ aus dem Auslande einzuführen und dafür
„einen Theil des nervi gerendarum rerum hinauszuschaffen.“
Die Schweizer holten die meklenburgische Wolle durch die dritte Hand
und brächten „2u unserer Schande“ später schöne Zeuge mit ansehn—
lichem Gewinne zu uns zurück. Immerhin mochte die Kammer nicht
in Abrede nehmen, daß auch durch Import der Rohstoffe, wenn man
ihn klüglich anfange, ein Vortheil für das Land erzielt werden könne,
„wie solches die nahe Erfahrung in den churmärkischen Landen
gelehret hat.“ Sie brachte daher in Vorschlag, den Petenten ähn⸗
liche Privilegien zu bewilligen, wie sie der jüngst in Doberan angelegten
Wollenmanufactur eingeraͤumt seien.

) Hintze, S. 149.
Jahrbuch des Ver. s. mekl. Gesch. LVIII.