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Der Herzog erklärte sich mit dieser Auffassung einverstanden und
ließ beide Maͤnner zu weiteren Verhandlungen vor der Kammer nach
Schwerin rufen. Ob sie der Einladung gefolgt sind und was aus
der Angelegenheit wurde, entzieht sich unserer Kenntniß.
Kurze Zeit nach dieser Affaire erklärte) durch Vermittelung des
Hofraths Blume in Güstrow ein aus Berlin gekommener Seiden⸗
weber Johann Babtist Monet seine Bereitwilligkeit zur Anlegung
einer Seidenfabrik. Aus Lyon gebürtig, hatte sein in Güstrow bereits
ansässiger Landsmann Soucard ihn wohl zu einer Reise dahin bewogen.
Monet wollte, indem er in ähnlicher Weise, wie in den früher be—
trachteten Fällen, Steuerfreiheiten, Vorschüsse, freie Wohnung, Liefe—
rung des Webstuhles u. dgl. m. verlangte, nicht nur die Fabrikation
von seidenen Bändern, rolhen und schwarzen Atlassen, allen Arten
von Taffet, Gold- und Silberbrocaten in Gang bringen, sondern
auch eine Saffiangerberei eröffnen. Er verstand die Kunst, „das
RKalbfell weien zu machen, die veritable Saffiansbereitkunst.“
Die Kammer, die diese Vorschläge vom Herzog zum Erachten zugewiesen
erhielt, wiederholte ihre fruͤhere Ansicht über die Begünstigung der
Industrieen. Da indeß gegenüber der Gerberei ihre Bedenten nicht
zutrafen, so meinte sie, koͤnne man mit dem Petenten immerhin ver⸗
handeln, den Hauptnachdruck aber dann jedenfalls auf seine Geschick⸗
lichkeit in der Herstellung des Saffians legen. Es scheint, als ob
Monet, der sich unterdessen mit einem Kollegen, Namens Giroud,
verbunden hatte, um die Unternehmung gemeinsam auszuführen,
wirklich in Schwerin auftrat. Aber man konnte von seinen Anerbietun—
gen keinen rechten Gebrauch machen. Die Kammer rieth dem Herzog
nach genauer Erwägung ab, die Fabrik auf seine Kosten eröffnen zu
lassen. Wenn die Bewerber auf eigenes Risiko den Betrieb in Gang
bringen wollten, so ließe sich nichts dagegen sagen.
So sind denn beide Franzosen in Berlin geblieben. Im Jahre 1788
findet sich unter den dortigen Seidenwebern ein Monel und im Jahre
vorher unter den kleineren Seidenfabrikanten ein Giroud sen. und
ein Giroud jun. erwähnt. Seidenweber mit dem Namen Giroud
kommen in Berlin schon seit 1749 vor.?)
Alle diese abschläägigen Bescheide vermochten nicht immer, wieder
neue Meldungen zu hindern. Am 10. September 1778 machen
Johann Michael Weiß und Franz Michael Weiß dem Herzog den
Vorschlag, in Güstrow, wo sie sich bereits seit März aufhielten, eine
Seidenfabrik zu etabliren. Wieder handelte es sich um Vorschüsse,

R Am 9. März 1764.
9 Acta Borussica, Schmoller-Hintze, II, S. 311, 351; 1, S. 178.