Einleitung,

also. Vor- und Nachteile der freien Konkurrenz genießen und
dulden, die Einschränkung der Vertragsfreiheit fordern zum
Schutz gegen die aus der Vertragsfreiheit entsprungenen und in
ihr wurzelnden Kartelle!
Der der Kartellbewegung innewohnende Selbstwiderspruch
reicht aber mit seinen Wurzeln noch weiter, bis zum Urgrund
ihrer Entstehung. Ohne Wettbewerb keine Beschränkung des
Wettbewerbs; das Bestehen einer Konkurrenz bildet den Humus
der Kartellbewegung. Nun ist der Wettbewerb selbst — samt
seinen Nebenerscheinungen — die Mutter eigenartiger Widersprüche.
 Der Wettbewerb bewirkt, daß jener, der Güter auf den
Markt bringt, eine seinen Interessen stracks zuwiderlaufende
Handlungsweise befolgen muß: er muß viel produzieren und
billig verkaufen, während . es sein Interesse wäre, wenig zu
produzieren .und teuer zu verkaufen. Die Beschränkung‘ des
Wettbewerbs steckt sich das Ziel, diesen Widerspruch zu beseitigen
 und den natürlichen Zweck des Produzenten zur Geltung
zu bringen. Diese Bestrebungen bedrohen aber, wenn von Erfolg
 begleitet, eine Reihe anderer wichtiger Interessen, die teilweise
 wieder nur in der Aufrechterhaltung des Wettbewerbs
ihren Schutzwall sehen; und die Aufrechterhaltung des Wettbewerbs
 ist in unserer heutigen Gesellschaftsordnung gleichbedeutend
 mit der Sicherung der Konkurrenzfreiheit.
All diese Zusammenhänge in ihren verschiedensten Richtungen
aufzusuchen, aufzuklären und zu ordnen, ist der Zweck vorstehender
 Abhandlung, die zur Erreichung dieses Ziels ein von
der hergebrachten Behandlungsweise gewissermaßen abweichendes
System befolgt.
Bei der. Untersuchung der Kartellbewegung, einer Erscheinung
 des modernen, ja allerneuesten wirtschaftlichen Lebens,
steht vorläufig das Erkennen der Erscheinung selbst im Vordergrund.
 Von vornherein festgesetzten und umgrenzten Begriffen
 ausgehend, würden wir Gefahr laufen, mit dem Wellenschlag
 der noch in Wallung begriffenen Entwicklung in Gegensatz
 zu kommen; und dies würde nichts anderes bedeuten als
Fälschung der Wahrheiten des Lebens. Vor allem beobachten
wir daher, ergründen — So weit es das uns zugängliche Material
gestattet — den Ursprung, die Entwicklung, Arten der zu beobachtenden
 Erscheinungen, beschreiben die einzelnen derartigen