HAAR

{. Kapitel.

Über Kartelle und Trusts im allgemeinen.
$ ı. Ursachen, Vorbedingungen und Arten der Kartellentstehung,

a ber die Gründe der Kartellentstehung ist man ziemlich im
UÜ klaren. Betrachten wir auch nur ganz oberflächlich den
Entstehungsprozeß der ersten Kartelle und Trusts, so fällt
es ins Auge, daß denselben gewöhnlich ein heißer Konkurrenzkampf
 vorangegangen ist. Ohne Konkurrenz gibt es kein Kartell
und keinen Trust, und je hartnäckiger und verzweifelter der
Kampf gewesen, desto leichter und sicherer entsteht der Friede.
Es gibt keinen Unternehmer, der seine Freiheit einschränkt,
wenn er nicht dazu durch zwingende Gründe veranlaßt wird.
Dieses zwingende Motiv wirkt naturgemäß in erhöhtem Maße
bei der Kartellbildung, welche immer eine Entäußerung der wirtschaftlichen
 Freiheit enthält. Und dies ist in den Augen des
Unternehmers, der gewöhnt ist, auch mit unerwarteten Zufallsfällen
 zu rechnen und zu deren Ausnützung stets bereit zu sein,
das allergrößte Opfer, welches nur der Druck außergewöhnlichen
 Zwanges, die Furcht vor außergewöhnlichen Gefahren und
die Hoffnung auf außergewöhnlich großen Gewinn erträglich
macht.!)
In der Tat ist der Gedanke der Kartellierung zur Zeit der
Krisen entstanden und die historische Entwicklung derselben
im Einklang mit der oft zitierten Bemerkung Kleinwächters,
der die Kartelle „Kinder der Not“ nennt (a. a. O. S. 143); auch
Brentano beleuchtet richtig die Entstehungsart der Kartelle in
seinem Werke über die „Ursachen der heutigen sozialen Not“,

7) Diesen Gedanken veranschaulicht der Spruch Stephensons (siehe von
Halle a, a.O. S. 10) „Where combination is possible, competition becomes impossible,“