10 XI. Kapitel, Über Kartelle und Trusts im allgemeinen.

Konkurrenzkampfes involviert, wie z. B. bei Gründung einer
mächtigen Konkurrenzgesellschaft; oder 3. infolge einer äußeren
Veränderung, welche die Konkurrenz erschwert und hierdurch
die Erhöhung des Preises rechtfertigt, SO zZ. B. Preissteigungen
des Rohmaterials, des Arbeitslohnes, der Transportkosten, Zollerhöhung
 usw.; endlich kann auch 4. der Gedanke einer Konkurrenz
 bei denjenigen Trust- und Kartellbildungen entscheidend
sein, deren unmittelbarer Zweck das Steigern des Einkommens
einer Unternehmung bildet; denn das Kartell kann ja dies auch
nur durch Vernichtung oder durch vertragsweise Ausschließung
der Konkurrenz erreichen.
Infolgedessen ergibt sich auch naturgemäß der maßgebende
Einfluß der Preisbildungen und Preisschwankungen auf die Entstehung
 der Kartelle und Trusts; und zwar nicht nur die Preisschwankungen
 der durch die betreffenden Industriezweige selbst
erzeugten Waren, sondern auch die Preisänderung jener Rohmaterialien,
 welcher sich diese Industrie bedient.
Die letzteren können einen zweifachen Einfluß auf die
Kartellierung ausüben: sie können die Unternehmer des betreffenden
 Produktionszweiges zum Abschluß von Angebotkartellen
 veranlassen, durch welche sie den Preis der eigenen
Produkte erhöhen und hierdurch die Preiserhöhung des Rohmaterials
 oder des Halbzeuges auf die Konsumenten überwälzen,
oder aber sie können Nachfragekartelle abschließen, wodurch sie
den Preis des Rohmaterials zurückschrauben. Das Resultat dieses
zwiefachen Vorgehens ist im Falle des Erfolges das gleiche und
bewirkt, daß die Einträglichkeit der kartellierten Industrie trotz
der eingetretenen ungünstigen Veränderungen ständig bleibt oder
sogar noch gesteigert wird.
Im Laufe unserer Erörterungen werden wir mehrere Beispiele
 für beiderlei Arten der Kartellierung aufweisen können;
das Wesentliche ist hier, die Wichtigkeit der Preisbildung vom
Standpunkt der Kartellierung hervorzuheben, Ä
Die weitere Beobachtung der Kartellbewegung zeigt uns
nun, daß die erwähnten Vorbedingungen ‚nicht in jedem
Produktionszweig gleichmäßig zur Kartellgründung führen. Von
diesem Standpunkte gesehen, gibt es Produktionszweige, welche
zur Kartellbildung geeignet und wieder andere, die hierzu ungeeignet
 sind.