[2 I. Kapitel, Über Kartelle und Trusts im allgemeinen,

einkommen bezüglich verschiedener Waren selten gelingt, da die
Kompliziertheit des Vertrages, die Schwierigkeiten der Evidenzhaltung
 und Kontrolle sowie die Unmöglichkeit der einheitlichen
Preisbestimmung dies besonders erschweren, oft auch unmöglich
machen. Bei Waren, bei deren Erzeugung die persönliche Fähigkeit
eine größere Rolle spielt, erschwert eine Vereinbarung der Umstand,
 daß der Abgang, also auch der Preis eines jeden einzelnen
Exemplars von dessen Gelingen abhängt, und folglich im vorhinein
 nicht bestimmt werden kann. Bezüglich solcher Waren
endlich, die nur in einem oder wenigen Exemplaren erzeugt
werden, kann eine Konkurrenz überhaupt nicht, oder bloß in
angen Schranken entstehen, welche, in den tatsächlichen Verhältnissen
 wurzelnd, mächtiger sind als irgend ein Kartell und
deshalb dasselbe überflüssig machen.
Die Kartellierungsfähigkeit einer Industrie hängt auch davon
ab, ob die Käufer der durch sie produzierten Waren überhaupt —
und in welchem Maße — organisiert sind. So z.B. verkauft die
Halbzeugindustrie ihre Produkte weiterverarbeitenden Industrien,
die zum Zwecke des Einkaufs des Halbzeugs ein Kartell gründen
und dadurch ein derartiges Übergewicht gegen die erstere erlangen
können, daß die Gründung eines Gegenkartells zur Existenzbedingung
 wird, denn es hat den Charakter einer Defensivorganisation
gegenüber der Übermacht eines anderen Kartells. Andererseits
ist die Organisation des Handels oder des Konsums in Genossenschaften
 öfters ein wichtiger Beweggrund, daß die Kartellierung
— als Mittel der industriellen Organisation — ins Leben tritt.!)
Deswegen herrscht gewöhnlich auf den untersten Stufen der
industriellen Produktion die größte Kartellierungsfähigkeit, während
 jene entwickeltsten Industrien, die in dem direktesten Kontakt
 mit den Konsumenten stehen und sich seinem Geschmack
anpassen müssen, die geringste Tendenz zur Kartellierung aufweisen.

Bei der Kartellierung kommt auch die Anzahl der konkurrierenden
 Unternehmer in Betracht. Die geringe Anzahl der
Konkurrenten sowie die lokale Bedeutung eines Kartells, welche
z. B. durch die Höhe der Transportkosten gefördert wird, bereiten

1) Diesen richtigen Gedanken übertreibt Tschierschky (a. a. O. S. 27), welcher
lie Kartellbildung ausschließlich als Defensivorganisation betrachten will, durch
welche der Kontakt zwischen der Produktion und dem Absatz entsteht.