52 I. Kapitel. Über Kartelle und Trusts im allgemeinen.

Konkurrenzkampf, der die Eigentümlichkeit habe, das Wirtschaftssubjekt
 zu einer der Monopolistenpolitik gerade widerstrebenden
Handlungsweise zu zwingen. Es müsse ı. nicht nur keine
höheren, sondern niedrigere Preise fordern wie seine Konkurrenten,
denn nur so werden alle Abnehmer sich ihm zuwenden; hierzu
sei 2. notwendig, daß das betreffende Wirtschaftssubjekt auch
die ganze Nachfrage zu jenen Preisen befriedigen könne, es
müsse also von einer vorteilhaften Angebotspolitik vorläufig absehen.
 Da aber meistens alle die, welche Güter derselben Art
auf demselben Markt vertauschen, dieselbe Politik zu gleicher
Zeit betreiben, so sei die Folge, daß das Erlangen eines Monopols
 keinem gelingt. Gelänge es aber einem, so würde sofort
wieder neue Konkurrenz entstehen. Tatsächlich komme es jedoch
gewöhnlich nicht so weit, und man begnüge sich damit, sich die
Absatzgelegenheit für den erzeugten Gütervorrat zu erkämpfen,
und zwar möglichst unter vollkommener Ausnutzung der jeweiligen
 Produktionsmittel, und suche dann in der Größe des Absatzes
einen Ersatz zu finden für die geringe Höhe der Konkurrenzpreise
 (Prinzip: großer Umsatz, kleiner Nutzen). Da nun der
fortgesetzte Konkurrenzkampf nur in den seltensten Fällen zum
Siege eines der Konkurrenten und zu dessen Monopol führe, so
hätten sich die tauschwirtschaftlichen Subjekte zu allen Zeiten
nach anderen Mitteln umgesehen, welche geeignet wären, die
Konkurrenz zu beseitigen, ihnen ein Monopol zu verschaffen.
Solche Mittel sind die staatlicher Hilfe und die gemeinsamer
Selbsthilfe, die Verbände.
Wie konsequent auch diese. Ableitung des Wesens und
Zwecks der Unternehmerverbände aus den typischen Bestrebungen
der Tauschsubjekte durchgeführt und wie tadellos sie auch vom
rein deduktiven Standpunkt sein mag, so können wir uns mit
ihr doch unmöglich zufrieden geben, ehe wir ihren weiteren Zusammenhang
 mit dem Ganzen des wirtschaftlichen Lebens, mit
den Gesetzen der Preisbildung, des Angebots und der Nachfrage,
aufgeklärt haben. Wir müssen uns vor allem vergegenwärtigen,
daß die Kartellbildung selbst eine Reaktion auf die Ergebnisse
 der frei waltenden Gesetze des Angebots und der Nachfrage
 bedeutet. Im Prinzip ist die Preisbildung das Ergebnis
der gegenseitigen Wertschätzungen einerseits der Subjekte des
Angebots, andererseits der der Nachfrage; also eine Ziffer, die