8 9. Arten der Kartelle.

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lichen Interesse der Nachfrage steht wie der Preissturz mit dem
des Angebots.!) Die monopolistische Stellung des letzteren bewegt
 jenen Teil der Konsumenten, welcher zufolge seiner Unternehmerstellung
 die größte Übersicht über die Marktverhältnisse
und Energie zur Verwirklichung eines richtig erkannten Entschlusses
 hat, zur Kartellbildung. Prinzipiell können diese Kartelle
 ebenso mannigfaltig sein wie die des Angebots: in Wirklichkeit
 sind aber nur zwei Typen derselben zur Entwickelung
gelangt, nämlich die der Unternehmer dem Arbeitsangebot gegenüber
 und die den Lieferanten von Rohprodukten und Halbfabrikaten
 gegenüber. Beide sind nur von Bedeutung, wenn sie
zum Schutz gegen ein straff organisiertes Angebotskartell zustande
 kommen.
Bei den ersteren werden entweder Maximallohnsätze vereinbart,
 oder wird festgesetzt, streikende Arbeiter weiterhin überhaupt
 nicht oder für eine gewisse Zeit nicht anzustellen usw.
Drohenden Streikbewegungen wird oft durch die Vereinbarung
begegnet, die Arbeit in allen konkurrierenden Werken eines
Gebiets einzustellen, wenn die Arbeiter auch nur in einem dieser
Werke streiken (Lock-out).?)
Die Kartelle der Unternehmer gegen ihre Vorgänger im
Produktionsprozeß sind teils Preiskartelle, wo die Unternehmer
sich verpflichten ihren Lieferanten keinen höheren als den vereinbarten
 Preis zu zahlen; teils Gebietskartelle, wobei einem jeden
Abnehmer sein Gebiet zugeteilt wird, wo er seinen Bedarf zu
decken hat — diese Kartelle (Rayonnierungskartelle) haben in
Deutschland und Österreich eine wichtige Rolle gespielt im Verhältnis
 der Rohzuckerfabrikanten zu den Rübenproduzenten®),
ja sogar zum Eingreifen der Gesetzgebung geführt.‘) Es können
sich Unternehmer auch vereinigen, um durch Einstellung des
Bezuges (Boykottierung) von ihren Lieferanten eine günstigere
Preispolitik zu erzwingen. Solche Vereinbarungen sind allgemein
 von kurzer Dauer und lösen sich bald auf oder gehn in
festere Organisationsformen über.5)

X

a
') Vergl. hierüber auch Schmoller, Grundriß, Bd. II S. 47 a. E. u, f,
*) Vergl. Liefmann a, a. O. S. 72f.;5 Landesberger a. a, O. S, 311.
5) Landesberger a, a. O. S, 312.
‘) Vergl. weiter unten, $ 30.
5) Beispiele bei Liefmann, a. a, O0. 5. 73—709,