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III. Kapitel. Die Kartell- und Trustbewegung,

gestellt werden konnten. Die meisten Syndikate fallen auf die
Montan-, Eisen- und Metallindustrie, auf die chemische und
Textilindustrie, Bei letzteren Industriezweigen kann jedoch nicht
von höheren organisierten Syndikaten, sondern eher von Preisvereinbarungen
 und Produktionskontingentierungen bezüglich gewisser
 Waren gesprochen werden.
Die dem Reichstage vorgelegte Denkschrift über das
Kartellwesen (1. Teil)!) enthält eine am 30. September 1905 abgeschlossene
 ausführliche Kartellstatistik, welche 385 kartellähnliche
 Vereinbarungen umfaßt. Die Syndikate werden nach
Industriezweigen in folgende ı5 Gruppen eingeteilt: Kohlenindustrie
 ı9 Verbände, Eisenindustrie 6z, Metallindustrie ıı,
chemische Industrie 46, Textilindustrie 31, Leder- und Kautschukwarenindustrie
 6, Holzindustrie 5, Papierindustrie 6, Glasindustrie
10, Ziegelindustrie 132, Industrie der Steine und Erden 27, Tonwarenindustrie
 4, Nahrungs- und Genußmittelindustrie 17, Elektroindustrie
 2, sonstige 7.
Diese 385 Syndikate vereinigen beiläufig 12000 Betriebe.
Die gegenwärtig bestehenden Verbände sind, abgesehen von
einigen Vereinigungen (Weißblechsyndikat, Kalisyndikat, Bromkonvention),
 seit 1880 begründet worden. Bis 1895 nimmt die
Bewegung allmählich und gleichmäßig zu. Von da ab ist die
Zahl der Kartelle im raschen Steigen begriffen und im Jahre 1904
übersteigt die Zahl der in diesem Jahre begründeten Verbände
die der bisher bestandenen.
In folgendem geben wir, der Gruppierung der Denkschrift
folgend, eine kurze Übersicht der deutschen Kartellbewegung.?)
A) Das wichtigste deutsche Kartell ist das Rheinisch-Westfälische
 Kohlensyndikat, dessen Ursprung bis auf die 1870er
Jahre zurückgeleitet werden kann. Wie überall, so trachtete
man auch hier anfangs mit loseren Konventionen die Übel der
Überproduktion zu beseitigen, welche sich jedoch als ungenügend

1) Denkschrift über das Kartellwesen (I. Teil) nebst einem Anlageband, dem Reichstage
 (II. Legislatur-Periode; II. Session 1905/1906) vorgelegt am 28. November 1905,
*) Bei dieser Zusammenstellung haben wir das Hauptgewicht darauf gelegt, die
durch die bisherigen eingehenden Forschungen gelieferten Daten zusammenzufassen,
Selbstverständlich bilden die Protokolle der kontradiktorischen Verhandlungen und
der erste Teil der Denkschrift die Grundlage. Deshalb sind auch eingehender bloß
diejenigen Kartelle berücksichtigt, über welche bereits verhandelt wurde; unsere
Darstellung bietet eine Zusammenfassung und Auszug der Verhandlungen.