100 IT. Kapitel. . Die. Kartell- und Trustbewegung,

besitzt 15 Mitglieder. Die Preise wurden auch neuerdings (Dezember
1905) wesentlich herabgesetzt. Zahlreiche Kartelle sind ferner
in der Industrie der Mineral- und Pigmentfarben (Bleiweiß,
Litophenweiß, Zinnober, Zinnoxid), der trockenen Destillation
(Holzgeist, Teer, Benzol, Benzin, Zeresin, Parafin), der künstlichen
 Farbstoffe (Alikarin und Indigo), der Sprengstoffindustrie
(Pulver, Munition und Dynamit), der Kerzen- und Seifenindustrie
 und der Industrie der künstlichen Düngemittel
tätig. Unter letzteren sind hervorzuheben die süddeutsche Dün gerkonvention
 (1896; ı5 Mitglieder) und mehrere Superphosphat-Syndikate.

E. In der Textilindustrie hat die Kartellbildung erst in
neuester Zeit eingesetzt, doch kommen nur Konditionskartelle
und Vertragsverbindungen ohne straffere Organisation vor.
Unter den Spinnereien ist der Verband deutscher Juteindustrieller
 G.m. b. H. (1901; 26 Mitglieder) und die Vereinigung
 deutscher Kammgarn-Buntspinnereien (1905; 18 Mitglieder)
 zu erwähnen. Unter den Syndikaten der Weberei sind
die wichtigsten: „Verband der deutschen Kravattenstofffabrikanten“
 (gegründet 1903 mit 40 Mitgliedern), die „Allgemeine
 deutsche Zanellakonvention“ (gegründet 1895;
26 Mitglieder), der „Verband von Fabrikanten von Jacquard-Doppel-Moquette“
 (gegründet 1903; 9 Mitglieder) und die
„Deutsche Samtbandkonvention“ (1904; 20 Mitglieder);
letztere stellt nicht bloß die Preise fest, sondern verteilt auch
den Absatz prozentual nach Maßgabe bestimmter Beteiligungsziffern
 unter seinen Mitgliedern. — Auch im Veredelun gsbetrieb
 sind mehrere Färberei- und Appretur-Syndikate und
Vereinigungen entstanden. Die Konvention sächsisch-thüringischer
Färbereien und Appreturanstalten (gegr. 1894; 27 Mitglieder)
enthält auch eine Vereinbarung von Mindestlöhnen. Dieses
Syndikat hat mit dem Verband sächsisch-thüringischer Webereien
eine Vereinbarung abgeschlossen und hierdurch eine Konzentration
 sämtlicher Zweige der sächsisch-thüringischen Textilindustrie
zustande gebracht.
F. In der Lederindustrie sind mehrere Häuteverwertungsgenossenschaften
 und insbesondere der „Verband deutscher
Häuteverarbeitungsvereinigungen“ zu erwähnen. In der
Kautschuk-Industrie sind auch meistens Verkaufskartelle