110 IM. Kapitel. Die Kartell- und Trustbewegung.

ständigung zwischen beiden Kartellen gelungen und ein Vertrag
bis ı912 abgeschlossen worden. Dieser Vertrag kann jedoch
mit %/, Majorität der Kartellmitglieder auch binnen Jahresfrist
gekündigt werden. Das gemeinsame Kartell wird durch ein
Exekutiv-Komitee in Wien und in Budapest vertreten.
Die großen österreichischen Werke, die den Kern des
Syndikates bilden, sind folgende: Prager Eisenindustriegesellschaft,
Böhmische Montangesellschaft, Witkowitzer Werke, Alpine Montangesellschaft
 und die Werke des Erzherzogs Friedrich. -
Die Mitglieder des ungarischen KEisenkartells sind: Die
Rimamuränyer und Hernadthaler, Resiczaer und die Union-Aktiengesellschaft
 sowie die staatlichen Eisenwerke Diös-Györ
und Zölyom-Brezö6. Wir sehen also, daß der ungarische Staat
als Kartellmitglied an dessen Gewinn teilnimmt. Mit Ausnahme
zweier kleinen Walzwerke sind sämtliche ungarische ins Kartell
eingetreten.
Das Eisenkartell erstreckt sich in mehreren Unterabteilungen
auf alle hauptsächlichsten Erzeugnisse der Eisen- und Stahlproduktion,
 denn auch die kartellierten Werke vereinen die drei
Stadien der Eisenproduktion (Hochofen, Halbzeug, Walzfabrikat).
Während also in Deutschland der Gegensatz zwischen reinen
und gemischten Werken zu verschiedenen sich gegenüberstehenden
 Kartellbildungen geführt hat, erstreckt sich das ungarische
Eisenkartell auf Stab- und Fassoneisen, Eisenträger, Grobblech,
Schienen, Eisenbahnkleinmaterial etc. Bezüglich anderer Produkte
sind selbständige Kartelle zwischen den dieselben erzeugenden
Walzwerken zustandegekommen, die sich jedoch dem erwähnten
Kartell anschließen (österreichisch - ungarisches Feinblechkartell,
Verband der Draht- und Drahtstiftefabriken). ;
An das Eisenkartell schließen sich mehrere Verkaufskartelle
der ungarischen und österreichischen Eisenhandlungsfirmen (Stabeisen-Syndikat
 der Wiener Eisen-Großhändler, Träger-Syndikat
der Wiener Baueisenhändler, Syndikat der ungarischen Eisen-Großhändler,
 Ungarisches Trägersyndikat etc.) an.
Das ungarische Eisenkonstruktionskartell hat sich im Jahre
1905 aufgelöst; dasselbe hat die im Wege von Konkurrenzausschreibungen
 erhaltenen Aufträge zwischen seinen Mitgliedern aufgeteilt.
Die Wirkung des KEisenkartells zeigt sich in den Preisschwankungen
 der Produkte. Die Kurventafel I (S. 111) zeigt die