124 IL, Kapitel. Die Kartell. und Trustbewegung.

anpaßt. Dadurch erscheint der Produktionsgewinn der Raffineure
gesichert und wurde auch die Lage der der Petrolea angehörenden
Quellenbesitzer auf eine sichere Basis gestellt.
Die kartellierten Raffineure trachteten ihre Überproduktion
im Zollausland zu placieren und suchten zunächst in Deutschland
ein Absatzgebiet. Dies brachte das Kartell letzthin (1904) in
einen Konflikt mit der Standard Oil Company und der Interessentengruppe
 derselben, welche die Kontingentierung des Exports
erzwingen will. Sie beabsichtigt daher teils aus Pression, teils
aber um auf dem Markte Österreich- Ungarns zu erscheinen,
sowohl in Galizien wie in Ungarn Raffinerien zu errichten.
Der erste Schritt hierzu war die Erhöhung des Aktienkapitals
der Vacuum Oil Company von 200000 Kronen auf 3 000000.
Man glaubt nämlich, daß diese Gesellschaft berufen ist, amerikanische
 Interessen zu vertreten. Im Jahre 1905 begann die Vacuum
Oil Company mit der Errichtung ihrer Raffinerien in Dzieditz
und Almäsfüzit6. Das Petroleumkartell sicherte dieser Gesellschaft
 ein kleines inländisches Kontingent und den dänischen und
schweizerischen Export bis 30. April 1907 unbeschränkt zu.
In der letzten Zeit nimmt. der internationale Konkurrenzkampf
 der Petroleumkartelle immer größere Dimensionen an und
der Waffenstillstand trat nur infolge des Brandes der Bakuer
Quellen (September 1905) ein. Auch die österreichischen und
ungarischen Raffinerien waren gezwungen, ihren Export zu
organisieren. Nachdem eine jährliche Überproduktion von
120000 Tonnen raffiniertem Petroleum in Österreich-Ungarn nicht
placiert werden kann, liefert die Petrolea behufs Entlastung des
inländischen Marktes das entsprechende Rohölquantum zu ermäßigtem
 Preise denjenigen Fabriken, die nachweisen, daß sie
dieses Quantum in raffiniertem Zustand exportieren. Zu diesem
Zwecke wurde bereits im Jahre 1902 das Exportbureau der österreichischen
 Petroleumraffinerien geschaffen, das infolge der Konkurrenz
 der Standard Oil Company eine straffere Organisation
erforderte. Es wurde daher am ı. Juli 1904 die Aktiengesellschaft
 für österreichische und ungarische Mineralölprodukte gegründet,
 welche den Exportverkauf von 21 österreichischen und
ungarischen Petroleumraffinerien übernahm.
Die Petroleumindustrie Ungarnshatte selbstverständlich anfan gs
große Schwierigkeiten zu überwinden, weil sie hinsichtlich des