138 III. Kapitel. Die Kartell- und Trustbewegung.

von 40—50°%, vereinbart und diese ursprünglich bis Ende März
1898 abgeschlossene Vereinbarung bis Ende Juli desselben Jahres
verlängert. Das ist die einzige quantitativ (prozentuell) festgestellte
Betriebsreduktion in der Geschichte der ungarischen Mühlenkartelle.
Hierauf verstrich eine längere Zeit ohne Kartell und die auf
den Abschluß eines solchen gerichteten verschiedenen Versuche
führten zu keinem Resultat, weil sich die einzelnen Mühlen über
die Art der Betriebsreduktion nicht einigen konnten und Mißtrauen
 gegen ihre Konkurrenten hegten. Der im Jahre 1899
entstandene Weizenring erschwerte ebenfalls den Export. Die Aufhebung
 des Mahlverkehres aber verursachte die Entwertung des
feinen Mehls dadurch, daß der Nutzen des Exports desselben
nach dem Zollauslande illusorisch gemacht wurde.
Im Jahre 1902 wurde die Regelung der Produktion geradezu
zur Existenzfrage und die ungarischen Mühlenunternehmungen
beschränkten vom Januar 1902 bis zur Beendigung der Ernte die
Produktion in der Weise, daß die Budapester Mühlen wöchentlich
drei, die Provinzmühlen 2!/, Tage pausierten. Seitens der österreichischen
 Mühlen wurden Verhandlungen auch darüber gepflogen,
daß die ungarischen Mühlen die einheitliche Regelung der Produktion
 mit den österreichischen in einer gemeinschaftlichen
Vereinbarung feststellen sollten, doch waren die ungarischen Mühlen
dazu nicht geneigt, Sämtliche Budapester Mühlen nahmen übrigens
zur zweckmäßigen Ausnutzung der ausgezeichneten Ernte vom
Jahre 1902 (44800000 Meterzentner) den vollen Betrieb auf. Infolge
 der günstigeren Konjunkturen konnten im Ausland größere
Schlüsse erfolgen, aber auch im Zollinland trat eine derart
günstige Situation ein, wie sie seit Jahren nicht beobachtet
wurde. Infolge der gänzlichen Konsumierung der Vorräte und
der schlechten Obst-, Mais- und Kartoffelernte vergrößerte sich
der Brotbedarf, und da die österreichische Getreideernte verregnet
 war und dadurch an Mahlfähigkeit bedeutend litt, da ferner
die österreichischen Wassermühlen infolge der Dürre ihren Betrieb
erst spät im Herbst aufnehmen konnten, wurde die Anfrage nach
ungarischem Mehl eine sehr rege, so daß die ungarischen Dampfmühlen
 die günstige Konjunktur voll ausnutzen konnten.
Im Jahre 1903 wurde die Betriebsreduktion ähnlich wie im
Vorjahre vereinbart: vom Beginn des Jahres bis zur Einheimsung
der Ernte. Die Budapester Mühlen ruhten wöchentlich 11%,