140 III. Kapitel. Die Kartell- und Trustbewegung.

In den mit fetten Zahlen bezeichneten Jahren wurden Kartellvereinbarungen
 getroffen; wir sehen aber, daß die Mühlen im
Vergleiche zur Konjunktur auch in den kartellfreien Jahren ihren
Betrieb häufig aus eigener Entschließung reduzierten.!)
Unter den Betriebsreduktionen stand bloß diejenige vom
Jahre 1897 auf prozentueller Basis (40— 50%), während die übrigen
bloß die Anzahl jener Tage fixierten, an welchen der Betrieb allwöchentlich
 pausierte. Es ist offenbar, daß diese Art der Betriebsreduktion
 eine sehr primitive ist und zur Quelle fortwährender
Reibungen und gegenseitigen Mißtrauens wurde. Nichtsdestoweniger
 kam unseres Wissens kein Fall vor, daß das in der
Kartellvereinbarung festgestellte Pönale auch nur einmal zur Anwendung
 gelangt wäre.
Eine gründliche Regelung der Produktion und eine systematische
 Feststellung derselben enthält der Karl Haggenmachersche
 Kartellentwurf. Der Autor trat mit demselben gegen
Ende 1889 hervor. Es soll dadurch der Betrieb der Budapester und
Provinzmühlen dem Konsum angemessen eingeteilt werden und sozusagen
 automatische Betriebsreduktionen erfolgen. Der Plan konnte
nicht durchgeführt werden, weil man sich in dem Quantum des Kontingents
 und in dem prozentuellen Verhältnis, nach welchem die
einzelnen Mühlen den Mahlbetrieb einrichten sollten, nicht einigen
konnte. Zwei Jahre, bis Mitte 1902 dauerten die eingehenden
Verhandlungen, in deren Verlauf der ursprüngliche Gedanke oft
modifiziert wurde. In der am 20. und 21. März 1002 in Budapest
 abgehaltenen Sitzung der Vertreter von ıo Budapester und
9 großen Provinzmühlen wurde zwar ein Übereinkommen definitiv
abgefaßt, es konnte jedoch infolge von späterhin eingetretenen
Hindernissen doch nicht zustande kommen.
Trotzdem gebührt diesem Plan eines straff organisierten Mühlenkartells
 eine so hervorragende Bedeutung, daß wir die wesent-*)

 Die tägliche Mahlfähigkeit der Budapester Mühlen war im Jahre 1904 folgende;
 Elisabeth Dampfmühlen A.-G, 4300 Meterzentner; Pester Walzmühlen A.-G.
3000 Meterzentner; Erste Budapester Dampfmühlen A.-G. 4400 Meterzentner; Luisenmühle
 A,-G. 4000 Meterzentner; Pester Müller- und Bäckermühle 2300 Meterzentner;
Viktoriamühle 2500 Meterzentner; Gisella Dampfmühle 3300 Meterzentner; Haggenmacher-Mühle
 1600 Meterzentner; Hungaria Dampfmühle 1600 Meterzentner; Concordia
Dampfmühle 2370 Meterzentner, zusammen 30070 Meterzentner. Die Erste Budapester
Dampfmühle, die Luisenmühle und Pester Müller- und Bäckermühle haben sich im
Jahre 1904 vereinigt. Es ist daher klar, daß die Budapester Mühlen ihre Mahlfähigkeit
nicht ganz ausnützten.