$ 17. Internationale Kartelle und Trusts,

183

und Borkalk nach einer Skala in der Weise festgestellt, daß die
minimale Spannung aufrechterhalten werden könne. Am Kartell
sind die meisten großen europäischen Fabriken beteiligt, doch
drücken einige kleinere Konkurrenten auch seit Bestand des
Kartells die Preise, Die ungarischen und österreichischen Fabriken,
die am Kartell beteiligt sind, sind die folgenden: Rademacher
(Prag), Buschbeck (Aussig), Lyoneser Borax, die Raffineriefabrik
der erwähnten Borax. Consolidated und die ungarische Firma
„Chemikalienfabrik Dr. Theodor Heidelberg“. Die österreichische
und ungarische Produktion beträgt jährlich 200 Waggon.
Das Produktionskontingent ist nach Ländern geteilt. Die
Einhaltung dieser Einteilung wird durch hohe Pönalen gesichert,
die jedoch bisher nicht entrichtet werden mußten. In den einzelnen
 Zollgebieten kann eine Fabrik im Sinne der Vereinbarung
mehr, die andere weniger absetzen; die Ausgleichung erfolgt
durch die Verrechnungsbureaux, so daß jene Fabrik, die ihr
Kontingent überschritt, verpflichtet ist, die Differenz in raffiniertem
Borax. zum durchschnittlichen Jahrespreis von derjenigen Fabrik
zu übernehmen, die ihr Kontingent nicht erreichte.
Da das Rohmaterial im Gebiete des Zollinlands zollfrei ist,
raffinierter Borax aber einem Zoll von 5 Kronen in Gold pro
Meterzentner unterliegt, sind die ungarischen und österreichischen
Preise um diese Differenz höher. Eine Erhöhung der Preise ist
schon infolge der auswärtigen Konkurrenz unmöglich. Das
Kartell hat die Preise nicht gehoben und die stetig sinkende
Tendenz des letzten Jahrzehnts ist eine Folge des Sinkens des
Borkalkpreises.
So kostete im Jahre 1894 der Meterzentner raffinierter Borax
80 Krr., im Jahre 1895 68 Kr. Gegenwärtig beträgt dieser Preis
37 Kr., gegenüber dem Borkalkpreis von 20 Kr.
Der Erfolg des Kartells liegt hauptsächlich darin, daß die
Differenz zwischen dem Rohmaterial und dem Raffinement ständig
 über der Grenze der Rentabilität erhalten werden konnte.
Die Nobel Dynamit Compagnie entstand 1886 aus der
Vereinigung der Glasgower, Dresdener, Hamburger und Oplawener
Fabriken.
Der Sitz der Nobel Dynamit Trust Co. Ltd. ist London und
ihr Aktienkapital beträgt 60 Millionen Mark. Dieselbe sicherte
sich sowohl durch einen Kartellvertrag wie durch Aktienkäufe