$&amp; 20. Die Wirkung der Kartelle und Trusts auf die Unternehmer. 201

leugnen, daß dieser dreifache Prozeß besteht und wirkt. Man
muß nur einen Blick auf das Wirken der Trusts in den Vereinigten
 Staaten werfen, um zu beobachten, wie sich die Schar
selbständiger Unternehmer unter dem Druck der Trusts zu ihren
Beamten, Agenten, Kommissionären umwandeln. Glaubwürdige
Zeugen wiesen vor der Industrial Commission auf diese Schattenseite
 der Trustentwicklung hin; auch solche, die sich im übrigen
trustfreundlich äußerten.!) Allerdings betonten wieder andere?),
der unabhängige Gewerbsmann könne seine Stellung auch
gegenüber den Trusts behalten, wenn er dieselbe mit genügender
 Intelligenz und Energie verteidige. Es hängt eben nur
vom erforderlichen Maß dieser „genügenden“ Intelligenz und
Energie ab.
Trotzdem aber die Tatsache unstreitig feststeht, darf ihre
Beurteilung dieselbe nicht einseitig als unbedingt bedauernswert
und schädlich bezeichnen. Es muß vielmehr dieselbe Tatsache
anders bewertet werden für Länder mit mächtig vorwärtsschreitender,
 aufblühender Industrie und anders für solche, wo der gewerbliche
 Verkehr sich langsamer oder überhaupt nicht entwickelt.
Die ersteren werden kaum das Schauspiel eines numerus clausus
mitmachen können: die lebhafte Nachfrage wird trotz aller Kartelle
 immer neue und neue Unternehmungen ins Leben rufen,
und das Erstehen (ja sogar schon die nahe Möglichkeit des Erstehens)
 einer Outsiderkonkurrenz ist das bewährteste Mittel, die
Kartelle in Schranken zu halten. Wir sehen eben, daß sogar
die Alleinherrschaft des Standard Oil Trust bald sein jähes Ende
erreicht. Ein zweites Beispiel liefert die österreichisch-ungarische
Sodaindustrie, wo es der lebensfähigen Outsiderkonkurrenz gelang,
 ihre Aufnahme in das Kartell geradezu zu ertrotzen.’)
Anders in Staaten und Zeiten der Stagnation, wo aber der
numerus clausus nicht im Wesen der Kartellierung, sondern
in dem der Konjunktur, nämlich im Mangel an Nachfrage, begründet
 ist. — Derselbe Unterschied ist auch bei Beurteilung der
Fusionierungstendenz maßgebend. Aufblühende Industrien rufen
Fusionierungen hervor, weil das Wachstum der Produktion und
der an sie gestellten Anforderungen auch erhöhte Spannkraft,

!) Industrial Commission Bd. I S. 34, 146, 181, 253, 295, 391, 746.
?) Ebenda Bd. XIII S. 132, 271, 203, 345, 504:
3) Siehe ausführlicher oben S. 129 ff.