222

IV. Kapitel. Wirkungen der Kartelle und Trusts.

triebenen Preispolitik, wenn irgend möglich, durch Import aus dem
Auslande wirksam zu begegnen. Sie sind in der Lage, Surrogate in
Anwendung zu bringen, oder auch ihren Betrieb zeitweise mit erhöhter
 Intensität solchen Artikeln zuzuwenden, welche durch die
übertriebene Preispolitik des Kartells nicht bedroht werden, und
dadurch das Kartell zeitweilig lahm zulegen. Alle diese Methoden
der Abwehr sind von Produzenten, die durch Produzentenkartelle
über Gebühr bedrückt wurden, tatsächlich und teilweise mit Erfolg
angewendet worden: das Moment der Wehrlosigkeit, welches
das Postulat staatlicher Kontrolle bei der oben behandelten Art
von Kartellen rechtfertigte, würde daher hier nicht ausreichen,
um eine praktische Schlußfolgerung gleicher Art zu begründen.?)
Hingegen bleibt auch hier die nachteilige Wirkung der Kartelle
bei den einzelnen Abnehmern nicht stehn: eine ungesunde Preispolitik
 von Kartellen, welche Rohstoffe oder Halbfabrikate erzeugen,
 kann die Produktionsfähigkeit einer Volkswirtschaft nachteilig
beeinträchtigen. Namentlich ist es die Erschwerung der Konkurrenz
der inländischen Produktion mit dem Auslande, die möglichst zu
verhindern eine wichtige volkswirtschaftliche Pflicht der Staatsgewalt
 bildet, um nicht ihre ganze übrige Industrieschutzpolitik
illusorisch zu machen.?)
Aus all dem geht wenigstens so viel klar hervor, daß eine
monopolistische Stellung der Kartelle sie zu einer widernatürlichen
Erhöhung der Preise befähigt; worin unbedingt eine gewisse Gefährdung
 der normalen wirtschaftlichen Entwicklung liegt; und
unleugbar wird auch das Bestreben nach Ausnutzung des Monopols
durch diese Fähigkeit belebt. Allerdings hat auch Pohle mit
Recht die natürlichen Grenzen dieser Bestrebungen hervorgehoben.
Die Kartelle müssen nicht nur das Aufkommen einer neuen
Konkurrenz verhindern und jene Grenzen beachten, bei welchen
der Schutzzoll aufhört wirksam zu sein, sondern müssen auch
eine Gefahr des Übergangs der Konsumenten auf den Verbrauch
von Surrogaten gewärtigen. Weiter dürfen sie das Prinzip nicht
aus den Augen verlieren, wonach das größte Resultat nicht durch
die größte Belastung, sondern durch das Zusammenwirken zweier
Faktoren, der Absatzquantität und der Gewinnquote, erreicht wird.
Über eine gewisse Grenze hinaus vermindert nämlich das Steigen
!) Landesberger S. 338, 339.
?) Vergl. hierüber eingehender Landesberger, S. 339, 340.