258 V. Kapitel. . Stellung der Kartelle und Trusts im Rechtssystem.

bezweckt in Beziehung auf eine in irgend einem Teil der Vereinigten Staaten importierte
 oder zu importierende Ware, oder aber in irgend einem Gewerbszweig, in
welchem solche Waren importiert werden oder importiert werden sollen, eine Preissteigerung
 verursacht,
Jeder, der bei dem Import einer Ware oder eines anderen Gegenstandes vom
Ausland sich mit der Verletzung dieses Teils des Gesetzes beschäftigt oder mit
einem andern hierüber übereinkommt oder sich verschwört, begeht ein Vergehen
'misdemeanor) und kann von jedem Gericht der Vereinigten Staaten mit einer Geldstrafe
 von 100—5000 Dollar und nach Ermessen des Gerichts mit einer Freiheitsstrafe
 von 3 Monaten bis zu einem Jahr bestraft werden.

Art, 74. Die Circuit-Gerichte der Vereinigten Staaten werden hiermit mit der
Jurisdiktion betraut, um der Verletzung des obigen Artikels vorzubeugen und dieselben
 zu ahnden, und die Distriktanwälte der Vereinigten Staaten werden angewiesen,
in ihrem Distrikt nach der Weisung des Oberanwalts das Verfahren einzuleiten
(proceedings in equity).
Die Artikel 75, 76, 77 sind identisch mit den Artikeln 5, 6
und 7 der Lex Sherman. Sie behandeln ebenfalls das Verhör
von auswärtigen Zeugen, die Konfiskation und das Klagerecht,
welches sich auf dreifachen Schadensersatz und auf die Prozeßkosten
 erstreckt.
Die Lex Sherman hat sich in der Praxis nicht bewährt. Die
Gerichte vertraten in den ersten Jahren der Anwendung des Gesetzes
 öfters den Standpunkt, daß der Kongreß nicht berechtigt
sei, das Recht der nach den Gesetzen der einzelnen Staaten
rechtmäßig bestehenden Vereine oder das Recht der Bürger zum
Vermögenserwerb zu beeinträchtigen, und daß er besonders auch
Handlungen, die der Einzelstaat erlaubt, nicht als strafbar erklären
 könne. Die Schlußfolgerung war, daß nur eine allgemeine
Einschränkung (general restraint) des Verkehrs und Handels verboten
 sei, als dem Common Law widerstreitend. Demnach hätte
die Sherman Act nur insofern Gültigkeit, als sie die bekannten
Sätze des Conmon Law wiederholt. Nichtsdestoweniger leitete
der Attorney General das Verfahren mehrere Male ein, doch
meistens ohne Erfolg. So z.B. fällten im Prozeß gegen den Zuckertrust
 (1894) alle drei Instanzen ein abweisendes Urteil (United
States v. E. C. Knight Company — Sugar trust — 60 Fed. Rep.
306; 60 Fed. Rep. 934; 156 U. S. 1).!) Dieser Trust vereinigte

!} Eine Aussage des Richters Barett erlangte in dieser Angelegenheit große
Bedeutung: „Freie Konkurrenz aufhebende Verträge sind, insofern sie drohende Ver-‚uste
 verhüten, als rechtmäßig zu betrachten (may be perfectly reasonable). Solche
Verträge werden nur dann unrechtmäßig, wenn sie auf die Unterdrückung des allyemeinen
 Wohls gerichtet sind.“