260 V. Kapitel, Stellung der Kartelle und Trusts im Rechtssystem.

schon vorher im Besitz derselben Kapitalisten; und es war den
Gründern eher darum zu tun, die einheitliche Verwaltung auch
äußerlich durchzuführen. Im Prozeß stellte der oberste Gerichtshof
 in seinem Urteil vom ı4. März ı904 die Ungültigkeit der
Vereinbarung, d.h. der Gründung dieser Holding Company fest,
vermied aber die Anwendung einer Geld- oder Freiheitsstrafe,
Das Urteil wurde mit einer Stimmehrheit gefällt; vier der Gerichtsräte
 (unter ihnen auch der Vorsitzende) stimmten für die
Abweisung der Klage und begründeten ihr Minderheitsvotum
auf Grund der Lex Sherman mit dem Mangel der Kompetenz.
Den Ausschlag gab das Votum des Gerichtsrats Brewer, der,
lediglich auf Grund des Interstate Commerce Act, den ‘Bereich
der prinzipiellen Stellungnahme des Gerichts auf die Eisenbahnen
einschränkte.?)
Parallel mit der Kongreßgesetzgebung entwickelten sich die
Antitrustgesetze der einzelnen Staaten. Seit 1889 entstand eine
ganze Reihe solcher, und neu errichtete Staaten wie Washington
and Wyoming nahmen das Trustverbot auch in ihr Verfassungsgrundgesetz
 auf. Derzeit bestehen in dreißig Staaten und zwei
Territorien Antitrustgesetze, und in -siebzehn Staaten wurden die
betreffenden Verfügungen in die Verfassung selbst aufgenommen.
Das Referat der Industrial Commission (Bd, 2 S. ı1—264) enthält
die Trustgesetze aller Staaten bis 1900. Mehrere von ihnen (der
Kodex von Mississippi, Kansas 1897, Michigan 1899, Nebraska
1897, North-Carolina 1899, Ohio 1898, Dakota 1897 und Texas
ı895) enthalten auch die Definition des Trusts; die meisten setzen
auch Geld- und Freiheitsstrafen ein. Am strengsten sind die Gesetze
 von Texas und Georgia. Von den wichtigeren Staaten haben
New-Jersey und Delaware kein Antitrustgesetz.
Die auf Grund dieser Gesetze entwickelte Rechtspraxis weist
eine vielfache Buntheit auf, je nach der Stellungnahme der Gerichte
 und nach den herrschenden politischen Richtungen. Am

?) Dieses Urteil hat eine große Literatur, Siehe: Albany Law Journal, April
and Mai 1904 (S. 97, 100 und 101); Harward Law Review 17. Band; C. C. Langdell,
 The Northern Securities Case under a new aspect; Sir Frederic Pollock,
The Merger Case and Restraint of Trade; B. Wyman, The Law of the Public
ballings as a solution of the Trust Problem S, ı51, 271; Victor Morawetz, The
Antitrust Act and the Merger Case S. 533; Thorndicke, The decision in the Merger
Case, Boston 1905. Auch die Begründung (opinion) der Mehrheit und der Minderheit
 sowie auch Brewers Opinion sind im Druck erschienen.