202 VI. Kapitel. Vorschläge zur Lösung des Problems,
Me

_ Die Anträge wurden in der Kommissionssitzung vom ı. Oktober
 erneuert und am 30. Oktober im Plenum wieder eingereicht.
Hier erklärte Staatssekretär Graf Posadowsky, die Regierung
habe bereits einen Fragebogen!) an die Bundesstaaten gerichtet
und auch sonst die aus öffentlichen Verhandlungen und auf literarischem
 Wege erreichbaren Daten gesammelt. Auch die Gerichte
 der Bundesstaaten wären aufgefordert worden, über Rechtsstreitigkeiten,
 die sich auf das Kartellwesen beziehen, Bericht zu
erstatten. Den Leitern größerer Kartelle wäre Gelegenheit geboten
 worden zu einer vertraulichen Mitteilung der Verhältnisse
des Kartells. Endlich wäre die Veranstaltung kontradiktorischer
Verhandlungen in Vorbereitung, an denen die Vertreter der
Kartelle, der Hauptabnehmer kartellierter Unternehmungen und
unabhängige Fachleute teilnehmen sollten, Die Ergebnisse der
Untersuchung sollten, insofern dem nicht die Pflicht der Wahrung
von Geschäftsgeheimnissen entgegenstände, in einer umfangreichen
Denkschrift veröffentlicht werden.
Die kontradiktorischen Verhandlungen wurden mittlerweile
abgehalten, und der erste Teil der oben erwähnten Denkschrift
erschien und wurde dem Reichstag am 28. November 1905 vorgelegt
 (Reichstagsdrucksachen, 11. Legislaturperiode, II. Session
1905—1906 Nov. 4.). Die kondradiktorischen Verhandlungen
selbst wurden auch veröffentlicht und behandeln in drei Bänden
(1, Steinkohlen und Koks, 2. Druckpapier und Buchhandel, 3.
Eisen und Stahl I. Teil) folgende Syndikate: Rheinisch-Westfilisches
 Kohlen-Syndikat, Oberschlesische Kohlenkonvention,
Westfälisches Koks-Syndikat, Rheinisch-Westfälisches Roheisensyndikat,
 Halbzeugverband, Verband deutscher Druckpapier-Fabriken,
 Börsenverein der deutschen Buchhändler, Verbände der
Drahtwalzwerke und Drahtstiftfabrikanten, Weißblechverband,
Stahlverbände.
Die Berichte über die Verhandlungen veröffentlichen meistens
wörtlich die Ausführungen der einzelnen Redner, ausgenommen
die von ihnen als vertraulich bezeichneten Teile. Anfangs führte
Geheimrat van der Borght, später Geheimrat Delbrück den
Vorsitz. Als Referenten fungierten die Regierungsräte Voel-1)

 Der Fragebogen, ursprünglich aus 25 Fragen bestehend, erhielt später eine
neue Fassung in 14 Fragen, die im allgemeinen hinlänglich bekannt sind. Vergl.
auch S. 84.

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