8 34. Kodifikatorische Versuche in Deutschland. 293

cker, Gross und Albert. Die Verhandlung selbst wurde in
parlamentarischer Form gehalten und stets betont, daß eine Fragestellung,
 um die einzelnen Teilnehmer zur Bekanntgabe derjenigen
Daten zu veranlassen, die sie geheim halten wollen, nicht stattfinden
 werde. Demgegenüber wurde schon während der Vorbesprechung
 insbesondere von den Professoren Schmoller und
Brentano die Notwendigkeit des Zeugniszwanges betont (Kontr.
Verh. Heft ı S. 13 und 17). Die Denkschrift gibt der Meinung
Ausdruck, daß diese Bedenken nicht gerechtfertigt waren. Sie
beruft sich darauf, daß die Kartellvertreter stets gern und eingehend
 Auskunft gegeben und die Verhandlungen dazu beigetragen
 haben, eine Annäherung und Einigung der interessierten
Kreise anzubahnen (Denkschrift S. ı4 und 15).
Die letzte kondradiktorische Verhandlung fand am 20. und
21. Juni 1905 statt; doch ist noch eine Fortsetzung derselben
geplant.!) Die Veröffentlichung der Denkschrift wurde durch
einen Antrag der Abgeordneten Spahn, Gröber und Schaedler
 bei der zweiten Beratung des Reichshaushaltsetats für 1905
veranlaßt. Derselbe ging dahin, den Reichskanzler zu ersuchen,
„dem Reichstage tunlichst bald eine Denkschrift über die für die
Produktion, den Preis und den Vertrieb von Waren gebildeten
Kartelle, . Syndikate und Interessengemeinschaften vorzulegen,
welcher die Vertragsbestimmungen dieser Gesellschaften angefügt
 sind.“
Die Angaben über die Organisation der Verbände werden
durch die in einem Anlageband abgedruckten Statuten und Verträge
 ergänzt. Dieselben sind nach den ı5 Industriegruppen der
Denkschrift (siehe S. 84) zusammengestellt und veranschaulichen
die innere Organisation der Kartelle, die Ausgestaltung der Beziehungen
 der einzelnen Mitglieder zum Verbande und zur Geschäftsstelle
 des Verbandes sowie zueinander.
Was die Denkschrift selbst betrifft, so enthält sie in dem
bisher erschienenen ersten Teil eine Einleitung, eine Übersicht
über die bestehenden Kartelle mit ihren Satzungen und dann eine
Erörterung einzelner Syndikate. Die Statistik reicht bis zum
30. September 1905. Genossenschaftliche Vereinigungen, sei es
für Produktion. Kauf oder Verkauf, wurden, wenn sie nur lokaler

1) Während des Druckes vorliegender Schrift sind weitere Verhandlungen über die
Spiritus- und Tapetensyndikate abgehalten worden. Vgl.Nachtrag am Ende dieses Werks,