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Kartellreform. Auf die mannigfaltigen Arten der Entlastung des
Publikums hier einzugehen, tut nicht not; es wurde schon auf
die Abschaffung oder Einschränkung der indirekten Abgaben
hingedeutet; und seien bloß noch erwähnt: die Ausdehnung des
unentgeltlichen Unterrichts, die Errichtung von Krankenhäusern,
Wohlfahrtseinrichtungen usw.
Neben der schärferen Belastung der Kartelle mit direkten
Steuern bietet sich noch ein weiteres Mittel zur Hebung der
Kaufkraft der Konsumenten mit gleichzeitiger Übertragung
öffentlicher Lasten auf die Kartelle, allerdings bloß auf solche,
die eine den Trusts der Vereinigten Staaten gleichkommende
wirtschaftliche und moralische Übermacht in ihren Händen vereinigen
 und eben deshalb Staat und Gesellschaft noch vielfach
mächtiger bedrohen. Die amerikanischen Vorbilder betraten aus
freien Stücken diesen Weg, und bewiesen dadurch, daß sie sich
selbst zu den mit ihm verbundenen Opfern moralisch verpflichtet
fühlten. Es handelt sich darum, Unternehmungen, die mehr als
eine gewisse. Anzahl von Arbeitern!), Maschinen von einer eine
gewisse Zahl von Pferdekräften übersteigenden Kraft beschäftigen,
 einen jährlichen Umsatz von mehr als ein gewisses Maximum
 erreichen (oder nach irgend welchem anderen Schlüssel eine
gewisse Maximalausdehnung überschreiten), zur Errichtung und
Aufrechterhaltung gewisser Wohlfahrtseinrichtungen zu Gunsten
der Arbeiter und Konsumenten ärmerer Klasse zu verpflichten.
Öffentliche Schulen, Kranken-, Findlings-, Invalidenhäuser und
ähnliche Institute sind es, an die gedacht wird. Dem Arbeiter,
dem kleinen Konsumenten bedeutet der unentgeltliche Genuß
dieser Einrichtungen ein positives Plus in seinem Wirtschaftsplan:
seine Kaufkraft erhöht sich mit dem Geldwert der auf ihn
fallenden Quote des Genusses dieser Einrichtungen. Und das
beruhigende Gefühl einer gerechten Verteilung der öffentlichen
Pflichten und einer weitgehenden staatlichen Fürsorge sind die
nicht zu unterschätzenden Begleiterscheinungen dieser Reform.
Es muß nun der Frage näher getreten werden, deren befriedigende
 Lösung wir im Vorhergehenden vorweg genommen
haben, die aber unbedingt die schwierigere Seite des Problems
ausmacht: wie eine Überwälzung der den Kartellen auferlegten
_ 2) Nach dem Statistischen Jahrbuch für Preußen waren 1905 27721 gewerbliche
 Betriebe mit mehr als 20 Personen tätig,