in die Gegend des heutigen Lemberg, über die San nach der oberen
Weichsel, sodann über Kalisch, Konin in das untere Weichselthal. Auch
von Italien aus sind jahrhundertelang Händler hierhergekommen. Die
alteste etruskische Handelsstraße führte nach den vorhandenen Spuren
über das heutige Salzburg nach Schlesien, überschritt die Obra bei
Schrimm, die Netze bei Czarnikau, zog sich dann am Westsaum der
Tuchler Heide die Lobsonka entlang, um von hier aus auf die trockene
und waldreiche Straße zu gelangen, die sich zwischen der kassubischen
Seenplatte und der Tuchler Heide nach der Gegend des heutigen
Stargard hinschlängelt, von wo man dann die Weichsel erreichte. In
etwas späteren Zeiten, als man schon Nachrichten über die eigentliche
Bernsteinküste eingezogen hatte, suchte man die Weichsel in der Nähe
des heutigen Schwetz zu erreichen, wo man übersetzte und sodann durch
die Furth der Ossa bei Slup und die Passage zwischen dem Drausensee
und dem Friesischen Haff nach der Küste gelangte.
Als Entgelt für den Bernstein gaben Griechen und Römer zuerst
Bronzeschmuck ferner Salz, dies schwer zu entbehrende aber nicht überall
gefundene Genußmittel, und hin und wieder wohl auch feinere Gewebe.
Auch das später, vielleicht seit 10 v. Chr. gebrachte Geld wurde von
den Völkern, die es entgegennahmen, zunächst wohl nur als Schmuck
gebraucht. Die Handelsbeziehungen der Römer nach der Bernsteinküste
endigten mit der Völkerwanderung, doch ist diese nicht die alleinige
Ursache des Verfalles gewesen, die Hauptursache lag vielmehr darin,
daß der Bernstein durch die massenhafte Einführung seinen Werth
verloren hatte und aus der Mode gekommen war.
Die deutsche Völkerwanderung war dem Handel natürlich überhaupt
nicht günstig, denn sie vernichtete nicht nur allen Durchgangshandel,
wie den oben geschilderten, sondern auch die direkten Handelsbeziehungen
mit den Römern wurden dadurch abgebrochen, und es dauerte Jahr—
hunderte, bis sich aus dem deutschen Volke selbst eine eigene Handels⸗
thätigkeit entwickeln konnte. Dies konnte erst geschehen, nachdem die
durch die hin und her fluthenden Wanderungen gestörte Ruhe wieder
hergestellt war. Vor der Völkerwanderung hatten unsere Vorfahren
ihren Sitz zwischen Weichsel und Elbe, und von hier aus zogen sie
nun in gewaltigen Zügen nach dem Westen und Süden; zeitweise
durch die Römer aufgehalten, durchbrachen sie später den vernach⸗
lässigten Grenzwall und siedelten sich im Rhonethal, im Elsaß und am
Niederrhein an, ja sie drangen bis zur Seine und zu Loire vor. In
die verlassenen Gebiete zwischen Elbe und Weichsel schlichen sich slavische
Stämme ein, die im Laufe des 6. bis 8. Jahrhunderts über die Elbe