von Ungarn um die Mitte des 12. Jahrhunderts Bewohner von
Flandern und dem Niederrhein, der Eifel, des Hunsrücks und Wester⸗
waldes in sein Land und gab ihnen Grund und Boden in dem
heutigen Siebenbürgen. Auch das nordwestliche Bergland Ungarns
uͤnd die reichen Südhänge der Karpathen wurden von Deutschen, die
dort Acker- und Bergbau trieben, besiedelt, auch drangen sie nach
Schlesien vor und tief hinein nach Polen, wo überall Städte entstanden
mit Magdeburgischem Rechte. Während aber das Deutschthum Schlesiens
vornehmlich von slavischen Fürsten begründet ward, zogen die deutschen
Eroberer und Besiedler der Ostseeländer auf eigene Faust in die
unbekannte Ferne. Von Lübeck aus, das bald zur wichtigsten Handels⸗
stadt dieser Gegend heranwuchs, wurde die Eroberung und Germani⸗
sirung der Südküste der Ostsee in Angriff genommen, und zwar
betheiligte sich hieran das ganze deutsche Volk in allen seinen Stämmen
und allen seinen Lebensrichtungen. Der um 1200 zum Bischof von
Livland gewählte Bremer Domherr Albert gründete dort den Orden
der Schwertritter, der späterhin mit dem deutschen Orden verschmolz.
Um dieselbe Zeit schwebten aber die Deutschen in Gefahr, wieder von
der Ostsee abgedrängt zu werden und zwar durch den Dänenkönig
Waldemar, bis die Schlacht bei Bornhövede im Jahre 1227 seinen
Eroberungsplänen ein Ende machte. Erst seit dem Sturze der dänischen
Macht begann auch die große Zeit der brandenburgischen Askanier,
die damals nach dem rechten Oderufer übergingen und die heutige
Neumark gründeten.
So waren die Deutschen auf der ganzen Ostlinie im Vordringen
begriffen, ja es gab schon einige recht exponirte Posten, die leider auch
später nicht gehalten werden konnten. Standen doch die Schwertritter
Livlands nur durch die Ostsee mit ihrer Heimath in Verbindung, bis
die für die Germanisirung des Ostens wichtigste That geschah: Die
Eroberung des Preußenlandes durch den deutschen Orden. Der Kampf
zwischen den Polen und Preußen hatte schon fast zwei Jahrhunderte
gedauert, doch war es den Polen nie gelungen, größere Erfolge zu
erzielen; nur das Kulmerland hatten sie den Preußen abgewonnen,
aber diese drangen auch hier häufig wieder sengend und brennend ein.
Als Anfang des 13. Jahrhunderts Konrad, der Sohn Kasimirs, Herzog
von Kujavien und Masovien geworden war, versuchte der Cistercienser
Christian aus dem Kloster Oliva die Preußen zum Christenthum zu
bekehren, doch führte dies nur zu einer energischen Gegenwehr des
Heidenthums, indem die Preußen in wiederholten Zügen in das Land
des Herzogs Konrad einbrachen. Der im Jahre 1217 gegen die