Preußen gepredigte Kreuzzug hatte bei den nur spärlich herankommenden
Schaaren der Kreuzfahrer keinen dauernden Erfolg, weshalb sich Konrad
im Jahre 1228 an den deutschen Orden wandte und ihn um Hilfe
bat. Es war nicht das erste Mal, daß der deutsche Orden eine der—
artige Aufforderung erhielt, denn im Jahre 1211 hatte ihm der König
Andreas II. von Ungarn das Burzenland im südöstlichen Siebenbürgen
übergeben, damit er das Land gegen die Ueberfälle der räuberischen
Kumanen schütze. Da der Orden jedoch dort bald nach eigener Herrschaft
strebte, so hatte man ihn wieder aus Ungarn vertrieben. Als nun der
damalige Hochmeister Hermann von Salza, der sowohl mit dem Papste
als auch mit Kaiser Friedrich befreundet war, von Konrad zum Schutze
Polens gegen die Preußen aufgefordert wurde, ließ er sich vorsichtiger⸗
weise, damit der Orden nicht wieder in eine ähnliche Lage wie in
Ungarn käme, die von dem Herzog ausgesprochene Schenkung des
Kulmerlandes, sowie aller zu erobernden Landstriche als ein Fürsten—
thum des römischen Reiches bestätigen.
Im Herbste des Jahres 1230 kamen die ersten Ordensritter unter
Führung Hermann Balks am linken Weichselufer an, wo Herzog
Konrad die Burg Vogelsang erbaut hatte. Hier wartete man auf
weiteren Zuzug, der es schließlich nöthig machte, noch eine zweite
Burg, Nessau, zu bauen, worauf man dann im Frühjahr 1231 die
Weichsel überschritt und sofort auf dem rechten Ufer zur Sicherung der
Rückzugslinie die Burg Thorn anlegte. Hierauf zog man, immer neue
Befestigungen bauend, die Weichsel entlang, um sich auf diesem Strome
die Zufuhr von Hilfstruppen, Nahrungsmitteln und Kriegsmaterial zu
iichern, ging dann über die Ossa bei Slup, benutzte also denselben
Uebergang wie die alten Bernsteinhändler, und erbaute hier das Schloß
Starkenburg. Nun eroberte der Orden mit einem Stoße ganz Pome—
sanien, ging durch den Engpaß bei Elbing hindurch und bemächtigte
sich nach und nach der Haffküste, erbaute feste Burgen an den
Mündungen der Passarge, Aller und des Pregels und drückte die
Preußen, indem er sie diese Flüsse stromaufwärts verfolgte, in die
unwegsamen Moräste der Seenplatte hinein. Es waren schwere blutige
Kämpfe, die wiederholt neue Zuzüge aus dem Westen erforderten;
mmer wieder, kaum besiegt, erhoben sich die Preußen, bis dann endlich
mit dem Jahre 1283 die Eroberung Preußens als vollendet angesehen
werden konnte, nachdem freilich von der ehemaligen Bevölkerung nicht
mehr Viele übrig geblieben waren.
Gegenüber Nessau hatte sich auf dem rechten Weichselufer im
Anschluß an die Burg Thorn eine städtische Ansiedelung entwickelt,