Kasimir jeden Handelsverkehr mit Thorn ab und verbot seinen Unter—
thanen, die Stadt zu betreten. Auf Betreiben des Ordens wurde der
Streit jedoch bald wieder beigelegt.
Thorn begnügte sich schon sehr früh nicht mit dem Handel nach
Polen und dem inneren Deutschland, sondern wagte sich bald mit
seinen Schiffen auf die Ostsee hinaus, um an den zahlreichen Handels—
beziehungen des deutschen Kaufmanns in Ost- und Nordsee theil—
zunehmen. Es ist geschichtlich nachgewiesen, daß bereits im Jahre 1278
die Städte Kulm, Thorn, Elbing und Danzig ihren kaufmännischen
Verkehr über die Seegrenzen ihrer Heimath ausgedehnt hatten, und
dieser Verkehr muß schon längere Zeit bestanden haben, denn im
Jahre 1280 sagt Thorn dem Rathe der Stadt Lübeck wieder seine
Betheiligung an dem Handel mit Flandern zu, den es wegen Belästigung
Thorner Kaufleute dort hatte unterbrechen müssen.
An dieser Stelle müssen wir einen kurzen Blick werfen auf die
Entwickelung, die der Handel zu jener Zeit in der Ost und Nordsee
genommen hatte. Seit der Zeit der Byzantiner und später unter dem
Kalifat bestand ein lebhafter Handel zwischen Konstantinopel und
Skandinavien, und zwar nahm dieser Orienthandel seinen Weg den
Dnjepr und die Düna entlang und setzte sich von der Ostsee aus nach
Deutschland bis an den Rhein fort. Durch Verschiebungen und Unruhen
unter den Völkern Rußlands verödeten die alten Handelsstraßen
zwischen dem Schwarzen und Kaspischen Meere und der Ostsee, und
der orientalische Handel wurde durch Kaufleute aus Genua und
Venedig nach dem Mittelmeere abgeleitet, welche Ablenkung durch die
Kreuzzüge und die Begründung christlicher Staaten an den Ostgestaden
des Mittelmeeres begünstigt wurde, und die orientalischen Waaren
nahmen nun ihren Weg nach den Häfen Flanderns und Englands.
Inzwischen hatten deutsche Kaufleute, als von der Ostsee aus der
handel nachließ, den Versuch gemacht, diesen Verkehr wieder zu beleben,
und wahrscheinlich die bisher zu ihnen führende Straße verfolgend
Wisby auf Gothland erreicht, von wo aus man Rußland aufsuchte
und zwar den alten Stapelplatz Nowgorod am Ausfluß des Ilmensees.
Auch hier war der Friede durch Unruhen im Innern Rußlands gestört
gewesen, doch Fürst Jaroslaw erneuerte ihn 1199 „mit allen deutschen
Söhnen, mit den Gothen und der ganzen lateinischen Zunge“. So
lange das Ostseebecken noch in fremder Gewalt war, dürfte der Zug
deutscher Kaufleute nach Wisby und Nowgorod nicht allzu stark
zewesen sein, was sich aber gewaltig änderte, als die Deutschen die
Südküste und einen Theil der östlichen Küste besetzten. Das Haupt—