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der Orden im Jahre 1264 eine Verfassung verlieh. Das Nebeneinander⸗
bestehen dieser beiden Städte hat zu vielfachen heftigen Streitigkeiten
Anlaß gegeben, namentlich zu der Zeit, als die Altstadt mit dem
Orden zerfallen war, da die Thorner Neustadt bis zuletzt dem Orden
treu ergeben blieb.

Als mit dem Jahre 1283 nach unendlichen Kämpfen und Blut—
vergießen ganz Preußen endgültig dem Orden unterworfen war,
genoß das Land bis zum Jahre 1326 ununterbrochene Ruhe, sodaß
Thorn während dieser Zeit seinen Handel und sein Gewerbe weiter
ausdehnen und seinen Wohlstand namhaft steigern konnte. Namentlich
seine Beziehungen nach Polen und darüber hinaus, nach Südrußland,
Ungarn und Schlesien nahmen zu, wenn auch hier und da schon
durch die Handelseifersucht der Polen kleine Reibungen entstanden,
war doch die Lage Thorns, wo die verschiedensten Wege sich kreuzten,
derart, daß die Stadt ein natürlicher Stapelplatz werden mußte. Ueber
den Handel Thorns mit Polen und den angrenzenden Ländern liegen
verschiedene urkundliche Nachweise vor. So sichert im Jahre 1286
Herzog Wladislaus von Kujavien den mit Tuch nach Rußland
handelnden Kaufleuten des Ordenslandes freien Durchzug zu; 1294
wird ein Weg, der von Thorn nach Breslau führt, erwähnt; 1313 stellt
der Herzog Zimowit von Masovien dem Rathe zu Thorn eine Urkunde
aus, der den Kaufleuten der Stadt volle Freiheit für Aus- und Einfuhr
ihrer Waaren versprach, gleichviel ob sie von Krakau, Sandomir oder
Preußen kämen; 1318 sichert der Starost Stephan den nach Konin
und Kalisch handelnden Thorner Kaufleuten freien Durchzug zu; 1320
oerleiht ein südrussischer Fürst den Thornern unbeschränkte Handels—
freiheit in seinen Ländern; 1341 ladet Demetrius Dedko die Ordens—
kaufleute ein, Lemberg zu besuchen, und verspricht ihnen völlige
Sicherheit und freies Besitzthum. Man ersieht aus alledem, welchen
Werth die Fürsten dieser Länder darauf legten, daß die preußischen
Kaufleute Handel mit ihren Unterthanen trieben.

Schon frühzeitig entstand eine gewisse Gegnerschaft der beiden
Städte Krakau und Thorn, dessen Aufblühen man in Krakau mit
Neid sah. Krakau ließ sich, um Thorn zu schädigen, von Wladislaus
Lokietek im Jahre 1306 das Stapelrecht verleihen, zunächst nur für die
Waaren, die von Ungarn her eingeführt wurden. Trotzdem hierdurch
die Interessen Thorns berührt wurden, hört man Nichts von einem
Protest, weshalb man wohl annehmen kann, daß die effektive Auf—
cechterhaltung des Stapels den Krakauern nicht gelungen ist.