dem Tode des Herzogs Mestwin an Brandenburg gefallen war. Gegen
eine bedeutende Summe überließ der Markgraf von Brandenburg die
Städte Danzig, Dirschau und Schwetz nebst den dazu gehörigen
Gebieten dem Orden, doch erwuchs diesem dadurch, da Volen ebenfalls
Ansprüche auf dieses Land machte, ein unversöhnlicher Feind, dem er
schließlich erliegen sollte. Die Feindseligkeiten begannen bereits im
Jahre 1326. Wladislaus Lokietek, der im Jahre 1320 auf den Thron
des neu begründeten Polen gelangt war, war zwar in den ersten
Jahren seiner Regierung den preußischen Kaufleuten noch freundlich
gesinnt; er sorgte für sicheres Geleite durch Polen und warnte vor
Benutzung unsicherer Straßen. Aber bald begannen die Kriegszüge
der Polen gegen den Orden zum Zwecke der Gewinnung Pommerellens
und endigten erst im Jahre 1343 mit dem Frieden von Kalisch, worin
die Polen die Oberherrschaft des Ordens über Pommerellen anerkannten.
Nach dem Frieden von Kalisch begann die eigentliche Blüthe
der Stadt Thorn, die Zeit, wo sie als Königin der Weichsel weit und
breit berühmt wurde. Begünstigt wurde diese Blüthe zunächst durch
den Frieden, denn wenn es auch in dieser Zeit zu heftigen Kämpfen
zwischen dem Orden und den Litthauern kam, so spielten sich diese
doch fern vom Kulmer Lande ab, und auch die gewohnten Handels—
straßen wurden nicht davon berührt. Sodann trachtete der hervor—
ragende Hochmeister, Winrich von Kniprode, darnach, den Handel seiner
Städte wie überhaupt das Erwerbsleben seines Landes auf das
Eifrigste zu fördern, und schließlich bestanden gute Beziehungen zu
Polen, wo König Kasimir, von seinen Unterthanen später der Große
genannt, regierte, der den preußischen Kaufleuten nach jeder Richtung
entgegenkam. Auch die deutsche Hanse erstarkte um diese Zeit derart,
daß sie es wagen konnte, sich in die politischen Zwistigkeiten der Nord—
staaten einzumengen.
Was nun den Verlauf des Thorner Handels in dieser Zeit
betrifft, so können wir zwar über die einzelnen Phasen sowie über den
Umfang nichts Genaueres berichten, doch sind uns wenigstens die
Hauptgegenstände und die hauptsächlichen Absatz- und Bezugsgebiete
des Handels einigermaßen bekannt. Die wichtigsten überseeischen
Beziehungen unterhielt Thorn von Anfang an mit England und
Flandern, und zwar bezog man aus England vorzüglich rohe Wolle
und Wollenzeuge, ferner Leinwand und Metalle, namentlich Zinn und
Eisen, wofür man dorthin Getreide, Holz, Wachs, Flachs, Rauchwerk,
Asche, Pech, Theer und Kupfer ausführte. Die gleichen Artikel brachte
man nach Flandern, wo man dafür feineres Tuch, namentlich das von