Brügge, eintauschte, das in großem Umfange von den Thorner Kauf—
leuten in Polen und den angrenzenden Ländern sowie in Preußen
selbst abgesetzt wurde. Zwar fertigte man auch in Preußen wollene
Tuche an, worauf ja die Tuchmacherstraße in der Thorner Neustadt
hinweist, und die Marienburger Tuche genossen sogar eines sehr guten
Rufes; das feinere Tuch jedoch bezog man aus Flandern und England.
Sehr wichtig für die preußischen Städte, wie für alle Ostseestädte,
war der Fischfang, namentlich der Heringsfang auf Schonen. Dort
vorbei kamen seit dem 13. Jahrhundert zur Laichzeit ungeheure Herings⸗
züge, die nach dem Sunde wanderten, und es strömten daher alljährlich
aus dem ganzen Norden Europas Fischer, Kaufleute und Handwerker
herbei, um aus dem Fange, der Zubereitung, Verpackung und dem
Verkauf des Fisches Vortheil zu ziehen. Von den dänischen Königen,
denen damals Schonen gehörte, wurden den Städten abgegrenzte
Fischerlager eingeräumt, die man Vitten nannte, große freie Plätze am
Ufer, von hölzernen Planken eingeschlossen. Es wurden sodann Buden
aufgerichtet, theils zur Beherbergung der in der Fangzeit hier ver—
weilenden Gewerbsleute, theils zu Verkaufsstellen, und zur Erhaltung
der Ordnung, zur Rechtsprechung, sowie zur Erhebung gewisser Ein—
nahmen setzte jede hanseatische Stadt ihrer Vitte einen besonderen
Vogt vor. Zwar waren die preußischen Städte schon seit Mitte des
13. Jahrhunderts zum Einkaufe des Herings, der als beliebte Fasten—
speise von ihnen in großen Massen in Preußen, Polen, Schlesien und
anderen Ländern abgesetzt wurde, nach Schonen gekommen, doch
erhielten sie erst 1368 eine Vitte dort eingeräumt.
Mit den nordischen Reichen Dänemark, Norwegen und Schweden
bestand auch ein lebhafter Verkehr. So wurden von Dänemark Fleisch
und Butter, von Norwegen Thierhäute und Thran, von Schweden
Eisen, Pelzwerk, Butter und von allen drei Küsten Fische bezogen.
Die Beziehungen der preußischen Städte zu Nowgorod sind wohl nicht
sehr bedeutend gewesen, jedenfalls fanden ihre Bestrebungen nach
Gleichberechtigung mit den übrigen Hansestädten den Widerstand
Lübecks; wiederholt beklagen sie sich auf den Hansetagen darüber, daß
man ihnen nicht erlauben wolle, in Nowgorod polnische und preußische
Tuche zu Markte zu bringen. Den Verkehr mit Litthauen und der Stadt
Kauen, dem jetzigen Kowno, hatte Danzig fast allein an sich gerissen,
doch begann dieser Verkehr erst nach dem Aufhören der Kämpfe des
Ordens mit Litthauen.
Das wichtigste Absatzgebiet und Durchgangsland für Thorn war
und blieb aber Polen, und auch in den Handelsverträgen mit Polen