1

und seinen Nachbarländern Schlesien, Ungarn und Südrußland nahm
Thorn stets die führende Rolle ein, ja einzelne Verträge wurden aus—
schließlich mit ihm abgeschlossen. Neben Holz, das einer besonderen
Betrachtung bedarf, war es Getreide, das in großen Mengen aus
Polen bezogen wurde, um dann, soweit man es nicht im Inlande
verzehrte, nach England und Flandern ausgeführt zu werden. Auch
Salz wurde in großem Umfange aus Polen bezogen. Aus Ungarn
holten die preußischen Kaufleute vorzüglich Erze, edle und unedle,
Eisen, Blei, Kupfer, Quechslber, Gold, Silber und zwar aus den
ungarischen Bergwerkstädten Bartfeld, Leutschau, Göllnitz, aus Galizien
und dem südlichen Rußland besonders Rauchwerk. Den meisten unmittel⸗
baren Antheil am Handel hatten die Polen bei dem Verkaufe des
Holzes und der daraus gewonnenen Nebenerzeugnisse als Asche, Theer,
Pech; ferner lieferten die zahlreichen Vienenzeideleien in den polnischen
Wäldern viel Honig und Wachs, das namentlich für kirchliche Zwecke,
zu Kerzen, Verwendung fand. Abgesetzt wurden in Polen in der
Hauptsache Tuche und Fische, in größerem Umfange dann noch Wein,
Oel und Pfeffer.
Zum Transport des Holzes aus den polnischen, galizischen und
russischen Wäldern hatte man schon früh sich der Flößerei auf der
Weichsel bedient, indem man die zum Verkauf bestimmten Holzstücke,
entweder roh oder behauen, durch Querhölzer und Baststricke enge an
einander befestigte und zu sogenannten Tafeln verband. Eine größere
Anzahl solcher unter sich wieder verbundenen Tafeln nannte man und
nennt man noch heute eine Traft. Die bearbeiteten Hölzer wurden
aber noch auf andere Weise stromab geschafft; man fügte nämlich aus
ihnen flache Fahrzeuge von bedeutender Breite zusammen, die man
leicht in ihre Bestandtheile auflösen konnte. Diese, Dubassen genannten
Fahrzeuge, belud man meist mit Getreide, während man Asche, Pech
und Theer häufig auf die Traften packte.
Man sieht aus alle dem, daß Thorn in den Besitz eines ganz
gewaltigen Handels gelangt war, und da es am Kreuzungspunkte
vieler Landstraßen und an einer immerhin bedeutsamen Wasserstraße
gelegen war, so bildete es sich von selbst zu einem Stapelplatz heraus,
wodurch der Siadt nicht unerheblicher Nuthßen erwuchs.

Verhältnißmähßig zahlreiche Nachrichten sind uns erhalten über
den Handel mit Polen während Thorns Blüthezeit. So fordert im
Jahre 1345 Kasimir die Thorner Kaufleute zum Besuch seines Landes
auf und behält sich nur das Vorkaufsrecht bei aͤllen eingeführten