Waaren vor, eine Bedingung, die er später wieder fallen läßt. Bald
darauf, im Jahre 1349, giebt er ihnen die Wege nach Breslau,
Sandomir, Ungarn und Wladimir frei. Er hatte nämlich die süd—
russischen Provinzen seinem Lande einverleibt und suchte sie nun durch
rege Handelsbeziehungen an sich zu fesseln, und dazu gebrauchte er die
Thorner Kaufleute, die daraus allerdings auch ihren Nutzen zogen.
In demselben Jahre eröffnete der Verweser von Kujavien den Thornern
zwei Straßen nach Breslau, und zwar die eine über Radziejewo und
Kalisch, die andere über Strelno. Im Jahre 1351 erlaubte der König
von Polen im Namen des Herzogs Boleslaw von Plock den Thornern
freien Durchzug durch dessen Land. Einzelne Mißhelligkeiten kamen
natürlich auch in dieser Zeit vor und die Thorner hatten hie und da
Veranlassung, sich beim König über Bedrückungen, die ihre Kaufleute in
Polen erlitten hätten, zu beklagen.
Auch über den überseeischen Verkehr der Stadt und ihre Beziehungen
zur Hanse liegen verschiedene urkundlichen Nachweise vor, und wir
erfahren z. B, daß im Jahre 1345 ein Thorner Schiff bei Friesland
gestrandet ist und daß im Jahre 1356 der Thorner Kaufmann und
Rathsherr Johann Cordelitz in ein Schiedsgericht gewählt wurde zur
Schlichtung eines Streites zwischen Brügge und Dordrecht über Nieder⸗
lagsgerechtigkeit. Derselbe Cordelitz wurde im Jahre 1370 in dem
Krieg der Hanse wider den König von Dänemark, Waldemar III., zum
Führer des Thorner Seekontingents ernannt. In den Jahren 1374
und 1375 strandeten Thorner Schiffe bei Bornholm und bei Greifswald,
1377 bei Rügen, und der Rath sah sich in allen diesen Fällen ver—
anlaßt, bei dem betreffenden Landesherrn die Herausgabe der gestrandeten
Waaren zu fordern. Im Seeverkehr gab es ja auch sonst immer ganz
bedeutende Störungen, wie denn die Beraubungen und Beschlagnahme
oon der Hanse gehörigen Schiffen durch die Engländer nichts Seltenes
vwaren. Vor Allem erlitt die Schifffahrt durch die zerrütteten Verhältnisse
in Dänemark unsäglichen Schaden, nicht nur während des achtjährigen
Krieges zwischen Albrecht von Mecklenburg und Margarethe von
Norwegen, der 1395 durch Vermittelung der Hanse beigelegt wurde,
sondern noch lange nachher durch die Raubanfälle der über die Nord—
und Ostsee verbreiteten Vitalienbrüder, zu deren Aufkommen der Krieg
den äußeren Anlaß gegeben hatte. Trotz dieser Störungen muß der
Seehandel reichen Gewinn gebracht haben, denn es ließe sich sonst der
Eifer, mit dem die preußischen Städte an den Kämpfen und Verhand—
lungen, die zur Abwehr dieser Störungen stattfanden, Theil nahmen und
die Bereitwilligkeit, bedeutende Mittel dafür aufzuwenden, nicht erklären.