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Die preußischen Städte haben übrigens der Hanse gegenüber
immer eine etwas freie Stellung eingenommen, indem sie siets die
Interessen des von ihnen gegründeten preußischen Städtebundes,
bestehend aus den Städten Kulm, Thorn, Elbing, Danzig, Königsberg
und Braunsberg in den Vordergrund stellten und sich nur insoweit
an dem Vorgehen der Hanse betheiligten, als ihre eigenen Interessen
berührt wurden. In jedem Jahre hielten die preußischen Städte
Zusammenkünfte ab, wobei jede durch einige ihrer Rathmannen ver—
treten war. Dabei fanden Berathungen über gewerbliche Verhältnisse
statt, es wurden Satzungen für Kaufmannschaft und Handwerk fest⸗
gestellt, Streitigkeiten zwischen Privaten und Korporationen der sechs
Städte ausgeglichen, auch verhandelte man gleichzeitig mit der Ordens—
regierung und schrieb Steuern und Zölle aus. So wurde eine Zeit
lang für die Zwecke der Hanse ein Pfundzoll erhoben, der dann
Veranlassung zu Streitigkeiten zwischen Städten und Orden gab, da
der Orden einen Antheil an dieser Abgabe beanspruchte.
Die freiere Stellung der preußischen Städte zur Hanse hatte ihren
Grund noch darin, daß sie ein besonderes, ganz außer dem Bereiche
der großen Hanse liegendes Feld der Thätigkeit hatten, nämlich die
alten Verbindungen nach Polen, Schlesien, Galizien und Ungarn, mit
denen die Preußen, vor Allem die Stadt Thorn, ausschließlich für sie
geltende Handelsverträge abgeschlossen hatten und für deren Erhaltung
und Erweiterung sie mit alleiniger Hilfe der Ordensregierung sorgten.
Doch fanden die Städte die Unterstützung des Ordens nicht nur im
Verkehr mit Polen, sondern auch bei ihren überseeischen Beziehungen,
wie sie denn beispielsweise die günstigen Handelsverträge mit Frankreich
(1383) und mit England (1885) dem Orden verdankten, der freilich bei
dieser Unterstützung nicht bloß das Wohl der Unterthanen im Auge
hatte. Er war vielmehr bestrebt, die seinen Städten im Auslande
gewonnenen Vergünstigungen für seine eigenen Handelsunternehmungen
auszunutzen, ja er suchte noch dazu den Wettbewerb seiner Städte dadurch
zu schwächen, daß er vermöge seiner landesherrlichen Gewalt wichtige
Handelsvorrechte gegen sie in Anspruch nahm. Aus dem Bernstein⸗
Monopol, das er sich vorbehalten hatte, zog er großen Nutzen, nicht
weniger aber aus dem Verkaufe der reichen ihm als Zins zufallenden
Getreidelieferungen; auch kaufte er zugleich alle seine Bedürfnisse im
Großen im Auslande ein. Während sich bis über die Mitte des
14. Jahrhunderts hinaus keine Spur findet, daß die Handelsbetrieb—
samkeit des Ordens mit der der Städte in Konflikt gekommen sei, wurden
auf der Tagfahrt zu Marienburg im Jahre 1388 zum ersten Male