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Klagen der Städte gegen den Orden laut, die seitdem nicht mehr auf⸗
hörten, aber auch zeigten, daß wirkliche Mißbräuche eingerissen waren
und es sich nicht nur um Abwehr eines unbequemen Konkurrenten
handelte. Verhältnißmäßig harmlos war es noch, daß die Ordens⸗
beamten für ihre kaufmännischen Geschäfte Theilnahme an allen Handels⸗
freiheiten der Städte, namentlich auf den hanseatischen Kontoren ver—
langten, ohne sich an die auf diesen Kontoren herrschenden Satzungen
zu kehren, dagegen war es schon ein direkter Mißbrauch, wenn sie
hehaupteten, bei Insolvenzerklärungen gebühre ihnen vor allen anderen
Kreditoren der Vorzug, und dieses angebliche Vorrecht auch auf alle
in ihren Diensten stehenden Leute ausdehnten. An das von den
Städten mit Genehmigung des Hochmeisters häufig angeordnete Verbot
der Ausfuhr von Landesprodukten hielten sich die Ordensritter in ihren
Handelsspekulationen nicht gebunden, ja der Hochmeister findet bald
eine ergiebige Einnahme darin, gegen eine besondere Abgabe, die man
das „Gelobe“ oder „Lobgeld“ nannte, einzelne von diesen Verboten
auszunehmen. Ferner gaben die Ritter dem Vorkaufsrechte, das sie für
die Verproviantirung der Burgen auf den Wochenmärkten der Städte
und Dörfer ihres Bezirkes ausübten, eine solche Ausdehnung, daß sie alle
auf den Markt kommenden Landesprodukte aufkauften, um sie zu erhöhten
Preisen an die Konsumenten im Inlande oder Auslande abzusetzen.
Diese Mißhelligkeiten lockerten natürlich das Band, das Städte
und Orden zusammenhielt, und führten zu einer sich ständig mehrenden
Erbitterung, die schließlich auch den Abfall der Städte mit herbeigeführt
hat. Ein weiterer Grund zu diesem Abfall lag aber in den Schwierig⸗
leiten, die der 1386 auf den polnischen Königsthron gekommene Jagiello
dem preußischen Handel bereitete. Er war ein erbitterter Feind des
Ordens und suchte dessen Interessen zu schädigen, wo er nur konnte.
Ganz im Gegensatz zu seinen Vorgängern Kasimir und Ludwig war
er nicht geneigt, den durchreisenden preußischen Kaufleuten seinen
besonderen Schutz angedeihen zu lassen, weshalb denn auch die
Unsicherheit auf den polnischen Sitraßen immer mehr zunahm, und alle
Bemühungen des Hochmeisters, die Störungen zu beseitigen, hatten
keinen Erfolg, vielmehr ließ sogar Jagiello bisweilen mitten im Frieden
die Straßen sperren. Dies Alles war für Thorn um so nachtheiliger,
als zur gleichen Zeit der Breslauer Rath den Thornern, die mit ihrem
flandrischen Tuch der schlesischen Tuchindustrie eine empfindliche Konkurrenz
zereiteten, die bisher gewährten Freiheiten entzog.
Am folgenschwersten für Thorn war aber der Streit mit Krakau.
Krakau hatte, wie bereits erwähnt, Anfang des 14. Jahrhunderts das