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nahme des englischen Tuches, das ausschließlich in Thorn gekauft werden
mußte. Damit eröffneten sich für Thorn glänzende Aussichten, der
Markt mußte sich füllen mit Waaren aller Art, die Preise konnten die
Thorner diktiren und die Kaufleute der anderen preußischen Städte
mußten ihre Einkäufe in Thorn machen, soweit sie nicht selbst Waaren
aus Polen eingeführt hatten. Die Aussichten verwirklichten sich jedoch
nur zum kleinsten Theile, woran namentlich die bald folgenden politischen
Verwickelungen und die Katastrophe von Tannenberg Schuld waren.
Der Hochmeister versuchte ja zunächst immer noch, den Streit
zwischen Thorn und Krakau beizulegen, und er verständigte sich daher
mit dem Hauptmann zu Krakau, Clemens von Moskoczow dahin,
die Entscheidung dem Großfürsten Witold zu übertragen, der das
Schiedsrichteramt auch annahm. Zu dem festgesetzten Richttage
erschienen die Thorner nicht und behaupteten nachher, sie seien verhindert
gewesen, doch lag ihnen in Wahrheit wohl nichts an der Beilegung
des Streites, die ja wohl die Aufgabe des glücklich errungenen Stapel⸗
rechtes zur Voraussetzung gehabt haben würde. Es wurde nun hin⸗
über und herüber verhandelt, aber ohne Erfolg, und schließlich machte
der 1410 zwischen dem Orden und Polen ausbrechende Krieg den
Verhandlungen überhaupt ein Ende. Die schwere Niederlage des
Ordens bei Tannenberg hatte den schmachvollen Abfall der Städte zur
Folge, die sofort dem Polenkönig huldigten, nicht ohne ihm gleichzeitig
ihre ‚begerunge“ vorzutragen, die vor allen Dingen auf die volle
Freigabe des Verkehrs mit Polen zielten. Der schnelle Abfall ist ein
deutliches Zeichen für den Haß, den die Städte gegen den Orden
hegten, ein Haß so ties, daß ihnen jede andere Oberherrschaft als eine
Verbesserung erschien. Es spielte freilich dabei die Befürchtung eine
Rolle, es möchte ihnen bei dem fortdauernden Kampfe des Ordens
mit Polen dieses wichtige Absatzgebiet vielleicht ganz verloren gehen
dadurch, daß sich die Polen einen anderen Weg zur Ostsee, nämlich
über Stettin, suchen würden, während man bei Anerkennung der
bolnischen Oberherrschaft auf einen ungehinderten Handel mit diesem
Lande würde rechnen können. Der kräftige Widerstand Heinrichs von
Plauen hatte ja nun zur Folge, daß die Blüthenträume der Städte
oorerst nicht reiften, denn der am 1. Februar 1411 in Thorn geschlossene
Friede brachte das Land wieder unter die Herrschaft des Ordens.
Dafür suchten sie sich jetzt vom Hochmeister so viel als möglich Vortheile
zu verschaffen, die dieser ihnen auch zusagte, doch blieb, wie dies ja bei
dem Geschehenen natürlich war, das Verhältniß zwischen den Städten
und dem Orden gespannt. Dazu kam noch, daß nach dem Frieden von